"Buch der Woche"

Im Wechsel mit den Büchereien in Ahaus und Vreden stellen die Mitarbeiterinnen der Bücherei Stadtlohn immer mittwochs auf der Lokalseite der Münsterland Zeitung ein Buch unter der Rubrik " Buch der Woche" (ehemals "Der Lese-Tipp" oder "Der Buch-Tipp") vor. Hier können Sie unsere Buchempfehlungen nochmals nachlesen.

 

2010

In einem Augenblick

Brigitte Gehling (34. KW)

von Hasso und Catherine von Bredow
Eine wahre Geschichte über Schicksal, Tapferkeit
und Liebe.
München : Südwest, 2009. - 301 S. 
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-517-08567-8

Der Vater einer glücklichen Familie mit 3 Kindern erleidet mit 42 Jahren einen Schlaganfall. Aufgrund der körperlichen Lähmung, dem Locked-in Syndrom, kann Hasso von Bredow nur noch über Augenschlag Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen. Seine Frau Catherine sitzt monatelang am Krankenbett bis sie ihn schließlich als Schwerstpflegefall nach Hause holen kann. Durch Mithilfe der Großeltern, die die Kinder versorgen, sowie Freunden kann sich Catherine voll auf den kranken Mann einstellen. Mühevoll bildet Hasso Sätze mit dem Augenlid. Seine Frau Catherine versucht dieses Zwinkern mit den Augen zu übersetzen. Hasso kann keine Krankenschwester per Not-Ruf anfordern. Er kann auch bei schweren Schmerzen nur Kontakt über seine Frau aufnehmen. So vergeht manche Nacht, bei denen die Schwestern nach ihm sehen, aber seine Schwierigkeiten nicht wahrnehmen können. Diese Autobiografie gibt Einblick in das Empfinden des Kranken, die Sorgen und die Schwierigkeiten. Abwechselnd schildern Hasso und Catherine jeweils die Geschehnisse aus der eigenen Perspektive. Unerschütterlicher Überlebenswille und Kämpfergeist zeigen eine starke Familie.

 

Lieselotte bleibt wach

Daniela Kies (31. KW)

von Alexander Steffensmeier
Mannheim : Sauerländer, 2010
[14] Bl. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-7941-5252-0

Die Kuh Lieselotte ist zurück! In ihrem vierten Abenteuer kann Lieselotte trotz Gutenachtgeschichte der Bäuerin nicht einschlafen. Hopsen, dicke Wollsocken, Kräutertee, ein warmes Bad und Schäfchen zählen helfen nicht. Lieselotte stellt fest, dass die anderen Tiere alle zu zweit sind. Da sei es doch kein Wunder, dass sie nicht einschlafen kann. Sie braucht Jemanden zum Kuscheln! Aber das Bett der Bäuerin ist nicht für eine Kuh geeignet, auch das Hühnerhaus ist zu klein für sie – Bett und Hühnerhaus überleben den nächtlichen Besuch von Lieselotte nicht. Durch das von ihr erzeugte Chaos auf dem Hof, werden alle auf dem Hof wach. Nur Lieselotte wühlt sich, zurückgekehrt in ihren Stall, zufrieden ins weiche Stroh, "es war schön zu hören, dass sie nicht allein auf dem Hof war".

Alexander Steffensmeier hat erneut eine vergnügliche Geschichte erschaffen. Die beliebte Hauptfigur zeigt darin menschliche Emotionen und mit dem allein Nichteinschlafenkönnen wird ein Kindern vertrautes Thema angesprochen.

Die bildliche Darstellung ist das absolute Highlight des Bilderbuches. Die farbenstarken, großformatigen Bilder animieren genauer hinzuschauen. Und es lohnt sich! Auf zahlreichen Nebenschauplätzen werden witzige Geschichten in der Geschichte gezeigt. Wer entdeckt z.B. die Schattenspiel spielenden Hühner auf der ersten Seite? Herrlich ist auch die Mimik der tierischen Charaktere gezeichnet. Der gut verständliche, kurze Text untermalt die Geschichte erklärend.

Alexander Steffensmeier, in Lippstadt geboren, absolvierte ein Designstudium mit Schwerpunkt Illustration an der Fachhochschule in Münster. Steffensmeier lebt und arbeitet als freier Illustrator (und Autor) für verschiedene Verlage in Münster.

 

Das Mädchen ohne Hände

Rita Berger (28. KW)

von Mariatu Kamara mit Suan McClelland
München : Pattloch, 2009. - 207 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-629-02229-5

Im westafrikanische Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Welt, in dem von 1991 bis 2002 ein grausamer Bürgerkrieg herrschte, wächst die 1986 geborene Mariatu recht wohlbehütet in ihrer Familie auf. Vom Krieg weiß sie nicht viel, bis sie eines Tages, als Mariatu 12 Jahre alt ist, auf dem Weg in einen Nachbarort, von bewaffneten Rebellen, meist Kindersoldaten, überfallen und gefangen genommen wird. Mit unglaublicher Brutalität hacken sie ihr mit einer Machete beide Hände ab, damit sie kein Kreuz mehr auf einem Wahlschein machen kann. Schwer verletzt gelangt sie in ein Krankenhaus in Freetown, wo sie auch Verwandte wieder trifft, die das gleiche Schicksal erlitten haben. Hier erfährt sie auch, dass sie schwanger ist, von einem viel älteren, ungeliebten Mann aus ihrem Heimatdorf, dem sie als Ehefrau versprochen war. In einem Auffanglager mit über 400 Menschen ohne Hände lernt sie, mit Unterstützung ihrer Familie und Freunde, mit ihrem Schicksal zu leben. Sie schlägt sich als Bettlerin durch und bringt ihren Sohn zur Welt, mit dessen Pflege die junge Mutter jedoch völlig überfordert  ist. Er stirbt noch im Säuglingsalter an Unterernährung. Das Mitspielen in einer Lager-Theatergruppe hilft ihr bei der Verarbeitung ihrer Traumata, gibt ihr neuen Lebensmut und stärkt ihr Selbstvertrauen. Durch Berichte internationaler Medien von ihrem Schicksal und mit Unterstützung von Hilfsorganisationen findet sie schließlich eine Pflegefamilie in Kanada. Sie lernt lesen und schreiben, besucht ein College und ist heute als UNICEF-Sonderbotschafterin unterwegs.

Diese ergreifende Geschichte, die Mariatu Kamara gemeinsam mit der Journalistin Susan McClelland schreibt, macht sehr betroffen und bewegt nachhaltig. Es ist kaum zu fassen, was dieses Mädchen erlebt und erlitten hat, und dass sie danach trotzdem, ermutigt und gestärkt auch durch ihre Freunde, den Willen und die Kraft aufbringt zum Weiterleben und jetzt durch ihre Vorträge auf das Schicksal von Kindern in Kriegs- und Krisengebieten aufmerksam macht, die dringend Hilfe brauchen, damit sie nicht weiter Opfer von Gewalt werden.

 

Himmel und Hölle

Daniela Kies (25. KW)

von Malorie Blackman
Köln : Boje, 2008. - 509 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-414-82086-0

Geografisch gesehen leben Sephy und Callum am gleichen Ort, dennoch trennen sie Welten voneinander. Denn Sephy ist schwarz und gehört zu den mächtigen Alphas, Callum ist weiß und gehört zu den zweitrangigen Zeros. Gleichwohl verbindet die beiden eine tiefe Liebe. Nur heimlich können sie sich nahe sein. Sie sind überzeugt, dass ihre Liebe zueinander alle Vorurteile der strikten Rassentrennung überwinden kann – bis sie die Wirklichkeit einholt. Immer mehr Lügen, Misshandlungen und böse Gewalt beherrschen den Alltag. Zwischen Sephy und Callum drängt sich eine unsichtbare, schier unüberwindbare Wand und selbst ihre so große Liebe gerät immer mehr in den Strudel des alles verzehrenden Hasses zwischen Alphas und Zeros.

Die unvorhersehbare Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Sephy und Callum erzählt. Ausführliche Beschreibungen oder flüchtige Gedankenfetzen steigern die Intensität des Buches - ganz nahe scheint man den Protagonisten zu sein. Die dramatischen Ereignisse werden greifbar und beklemmend authentisch. Besonders Sephys Leid, ihre lähmende Angst und ihr Schmerz (vom eignen Vater als „Bimbohure“ abgestempelt), gehen unter die Haut.

Malorie Blackmans moderne Romeo-und Julia-Geschichte spielt in einer utopischen und doch so realen Welt. Eine Geschichte, die überall da aktuell ist, wo Bevölkerungsgruppen wegen Hautfarbe, Abstammung oder Religion unterdrückt werden. Dieses starke und bewegende Jugendbuch über das Leben zu Zeiten des Rassismus sollten auch Erwachsene unbedingt lesen!

 

Kirschblüten im Wind

Brigitte Gehling (22. KW)

von Susanne Wahl
München : Heyne, 2009. - 479 S. - (Heyne ; 40581)
ISBN 978-3-453-40581-3

1691: Katharina Sessenheimer soll, gemäß ihres Vaters Wunsch, mit einem reichen, alten Kaufmann verheiratet werden. Auf dem Weg nach Amsterdam, wo sie die Haushaltsführung für die Ehe erlernen soll, gelingt ihr die Flucht von ihren Eltern. Als ihr Jugendfreund die Reise nach Japan als Arztgehilfe nicht antreten möchte, schlüpft sie in seine Kleider und wird „Severin“, der Arztgehilfe von Dr. Liebau.
Unter den Männern geht es rau zu. Unterschiedliche Mentalitäten treffen aufeinander. Außerdem treten die Japaner den Europäern misstrauisch gegenüber. Nachdem die Japaner die missionierenden christlichen Mönche aus dem Land verwiesen haben, ist nur noch den Holländern das Betreten des Landes gestattet. Severins Abenteuer beginnt.

Cover des Buches und der erste Eindruck lassen eine gewöhnliche Liebesgeschichte erscheinen. Schnell entpuppt sich aber ein spannend geschriebener historischer Roman mit Tiefgang. Susanne Wahl wurde 1955 in Erlangen geboren und studierte Ethnologie und Anthropologie. Ihr erster historischer Roman ist deshalb gut fundiert.

 

Mein Leben ohne Gestern

Sabine Elbers (19. KW)

von Lisa Genova                     
Bergisch Gladbach : Lübbe, 2009. – 317 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-7857-6116-1

Alice ist zufrieden mit sich und ihrem Leben. Sie ist glücklich verheiratet, ihre drei Kinder sind bereits aus dem Gröbsten raus, und auch beruflich hat sie ihren Traum verwirklichen können. Als Professorin für kognitive Psychologie ist sie eine anerkannte Größe in Harvard. Doch plötzlich beginnt sie, die immer so zuverlässig war, Termine zu vergessen, sie verlegt ihre Sachen, und beim Joggen weiß sie auf einmal nicht mehr, wie sie nach Hause kommt. Obwohl sie nur wenige Blocks weit gelaufen ist. Ein beängstigender Verdacht schleicht sich in ihr Leben: Ein Hirntumor? Alice rechnet mit dem Schlimmsten. Als sie erfährt, dass sie an einer frühzeitigen Form von Alzheimer leidet, kann sie es zunächst gar nicht glauben. Sie ist doch erst fünfzig! Machtlos muss sie dabei zusehen, wie ihre Erinnerungen ihr mehr und mehr entgleiten...

Die promovierte Neurowissenschafterin und Autorin Lisa Genova, hat mit ihrem ersten Roman eine gut recherchierte und ergreifende Geschichte um das Thema der Alzheimer-Krankheit gewoben und gewährt dem Leser Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt einer Erkrankten. Sie macht aber auch klar, welcher Belastung die betroffenen Familien ausgesetzt sind.

Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin die mangelnde Akzeptanz, die diese Erkrankung in der Bevölkerung nach wie vor erfährt sehr deutlich macht. So lässt sie ihre Protagonistin sagen: "Hätte ich doch eine Krebserkrankung, gegen die könnte ich ankämpfen und würde von meiner Umwelt als Heldin gefeiert, so werde ich allenfalls zur „Idiotin“.

Sehr beeindruckend schildert die Autorin aber nicht nur die Entfremdung und die Verluste, sondern auch die "Gewinne", die erhöhte Sensibilität Alices für das Ungesagte und die unausgesprochenen Gefühle.

Ein tolles, bewegendes Debüt, das ein Thema aufgreift, das für viele Menschen nur ein Wort, für andere der Alltag ist. Lisa Genova schreibt bereits an ihrem zweiten Roman.

 

Einmal

Rita Berger (16. KW)

von Morris Gleitzman
Hamburg: Carlsen, 2009. - 187 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-551-35862-2

Der neunjährige Felix ist Jude und lebt 1942 schon seit mehr als 3 Jahren in einem katholischen Waisenhaus in Polen. Seine Eltern haben ihn hierher gebracht und er glaubt fest daran, dass sie wiederkommen werden, um ihn zu holen. Als er miterlebt, wie Bücher des Waisenhauses verbrannt werden, flieht er, um seine Eltern, die jüdische Buchhändler sind, zu suchen und zu warnen. Unterwegs sieht und erlebt er immer wieder schreckliche Dinge. Da beginnt er zu verstehen, was die Nazis wirklich vorhaben. Neben einem brennenden Haus findet er das Mädchen Zelda, deren Eltern ermordet wurden und nimmt sie mit. Doch sie werden beide aufgegriffen und in ein Ghetto gebracht. Dort nimmt sie der jüdische Zahnarzt Barnek, der sich hier liebevoll um eine Gruppe von Waisenkindern kümmert, in seine Obhut - ähnlich wie es Janusz Korczak tat. Er bleibt auch bei ihnen, als die Kinder deportiert werden sollen.

Dieses eindringliche, aus der Sicht eines Kindes geschriebene Buch, zeigt in aller Deutlichkeit die grausame Verfolgung und das furchtbare Leid jüdischer Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus. Doch auch hier gibt es immer wieder Zeichen der Hoffnung und Menschlichkeit. Und Felix gelingt es, trotz aller schrecklichen Ereignisse und Erlebnisse, sich und seinen Freunden immer wieder Mut und Hoffnung zu machen.                                                   

Dieses Buch des australischen Autors (*1953) ist nominiert für den Deutschen Jugendbuchpreis 2010 in der Sparte „Preis der Jugendjury“.

 

Das Labyrinth der Wörter

Daniela Kies (13. KW)

von Marie-Sabine Roger
Hamburg : Hoffmann und Campe, 2010. - 205 S.
Aus dem Franz. übers.
ISBN 978-3-455-40254-4

Es ist eine zauberhafte und ungewöhnliche Liebesgeschichte, die die französische Autorin erzählt: Germain ist groß, ungeschlacht und vom Leben alles andere als verwöhnt. Die Mutter wollte ihn nie haben und der Lehrer quälte ihn in der Schule, weil er ihn für dumm hielt. Kein Wunder also, dass er es im Leben nicht allzu weit gebracht hat. Noch mit Mitte 40 lebt er von der Hand in den Mund, haust im Wohnwagen und kann kaum lesen. Doch dann trifft er Margueritte – beim Zählen der Tauben im Park. In ihrer Tasche steckt immer ein Buch. Denn die alte Margueritte ist eine leidenschaftliche Leserin. Nach und nach wird sie den ungehobelten und doch so sensiblen Kerl für die Welt der Wörter gewinnen, auch wenn die ihm anfangs wie ein Labyrinth vorkommt. Ihm fremde Begriffe schlägt er nach und wendet sie auch im Alltag an, sehr zur Verwunderung seiner Kumpels. Doch bald erfährt er, dass Margueritte seine Hilfe braucht. Germain muss ihr zuliebe über seinen Schatten springen.

Der warmherzige und humorvolle Roman wird aus der Perspektive Germains erzählt, was dem Leser ermöglicht, an seiner naiven und doch so weisen Weltsicht, seiner sprachlichen und literarischen Entwicklung teilzuhaben. Marie-Sabine Roger erzählt somit genau genommen gleich zwei Liebesgeschichten: Germain findet in Margueritte die Großmutter, die er nie hatte, und er entdeckt das Lesen für sich.

 

Trösten - aber wie?

Brigitte Gehling (10. KW)

von Klaus Schäfer
ein Leitfaden zur Begleitung von Trauernden und Kranken - Regensburg : Pustet, 2009. - 175 S. : Ill.
ISBN 978-3-7917-2204-7

Wenn wir mit dem Leid unserer Mitmenschen konfrontiert werden, haben wir oftmals Schwierigkeiten, richtige Worte des Trostes zu finden. Der gute Wille allein genügt nicht immer. Manchmal verletzen auch gut gemeinte Worte.

Klaus Schäfer sieht in der Sprache ein wichtiges Werkzeug des Tröstens. Anhand verschiedener Gesprächsmodelle und vieler praxisnaher Beispiele geht er auf wichtige Grundlagen des Tröstens ein. Der Leser bekommt ein Gespür für häufige Fehler und unpassende Formulierungen im Umgang mit Kranken und Trauernden. Er erfährt aber auch konkret, was er sagen und tun kann. Schließlich werden die Grenzen des Tröstens aufgezeigt.

Dem Leser werden verschiedene Formen des Leids vorgestellt. Außerdem schildert der Autor kleine Gesten, die dem Leidenden gut tun und wie Menschen Trost in Glaube und Religion finden können.

Klaus Schäfer ist Priester und Klinikseelsorger in Karlsruhe.

 

Keinohrhase und Zweiohrküken

Sabine Elbers (7. KW)

von Klaus Baumgart und Til Schweiger
Bergisch Gladbach : Baumhaus Verl., 2009. – [25] Bl. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-8339-0193-5

Der Keinohrhase kann alles genauso gut wie die anderen Hasen. Aber weil er keine Ohren hat, will niemand sein Freund sein und er ist daher sehr traurig. Eines Tages findet er ein kleines Ei. Wem mag es gehören? Vielleicht könnte da ein Freund für ihn drin sein? Dann macht er eine überraschende Entdeckung...

Til Schweiger (Vater des KEINOHRHASEN) hat in Zusammenarbeit mit dem Illustrator Klaus Baumgart (Erfinder von LAURAS Stern) ein wunderbares Bilderbuch geschaffen, in dem er die rührende Geschichte der zwei goldigen Figuren erzählt über "Anders sein“ und Freundschaft. Til Schweiger: "Wir hatten gemeinsam viel Freude bei der Entwicklung des Buches, und bei einigen Szenen haben wir Tränen gelacht."

Durch die einfach liebevolle Gestaltung – den niedlichen Zeichnungen mit wenig, aber lustigem Text, ist es dem Autorenduo gelungen, ein unterhaltsames, dennoch lehrreiches Buch für die ganze Familie auf den Markt zu bringen. Dürfen wir auf eine Fortsetzung gespannt sein?

 

Mein Leben mit Mozart

Rita Berger (4. KW)

von Eric-Emmanuel Schmitt
Zürich: Ammann Verlag. 2005. - 133 S. + 1 CD
ISBN 3-250-60085-7

Eric-Emmanuel Schmitt berichtet in diesem Buch, wie er im Alter von 15 Jahren von Selbstmordgedanken gequält wird. Das ändert sich schlagartig, als er Zugang zur Musik Mozarts bekommt, bei einer Aufführung  der Oper "Die Hochzeit des Figaro".  Dadurch erfährt sein Leben eine positive Wendung. Er erkennt in Mozart einen Seelenverwandten. Es ist "Liebe auf den ersten Blick". Er ist sich sicher, "daß sie nun eine lange, wunderbare Geschichte verbinden wird". Von da an schreibt er regelmäßig in kleineren und größeren Abständen sehr persönliche Briefe an den Musiker. Er berichtet von besonderen Ereignissen, Erkenntnissen und Lebenserfahrungen. Diese bringt er mit dem Leben Mozarts und dessen Musik in Verbindung. Es sind Antworten auf die Botschaften, die Mozart mit seiner Musik vermittelt.

Leicht und doch mit philosophischem Tiefgang gewährt Schmitt dem Leser Einblick in sein Innerstes, das durch die Musik des genialen Komponisten immer wieder zutiefst berührt wird und die ihm Kraft und Halt gibt. Auf einer dem Buch zugehörigen CD sind ausgewählte Mozartstücke zu hören, die den jeweiligen Beistand, den Mozart mit seiner Musik leistet, verdeutlichen und nachfühlen lassen. Dabei zeigt sich auch immer wieder deutlich, was Musik bewirken kann, wie hilfreich und tröstlich sie in Lebenskrisen sein kann. Das sie bei Leid, Schmerz und Verlusten Unterstützung und Ermutigung bieten kann, und dass man man durch sie wieder Freude gewinnt. Gleichzeitig bietet Schmitt hiermit auch eine sehr lebendige Einführung in das Werk Mozarts.

Eric-Emmanuel Schmitt (geb. 1960) studierte Philosophie und ist ausgebildeter Konzertpianist. Er wurde für seine Bücher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

 

Herr Hase und Frau Bär - der große Ausflug

Daniela Kies (1. KW)

von Christa Kempter
Ill. von Frauke Weldin

Hamburg [u.a.] : Nord-Süd-Verl., 2009. - [14] Bl. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-314-01682-0

Ein Wiedersehen mit dem kleinlichen Herrn Hase und seiner chaotischen Untermieterin Frau Bär! Nachdem die beiden am Ende des ersten Bilderbuches „Herr Hase und Frau Bär“ auf einem guten Weg waren, verständnisvoll und friedlich zusammen zu leben, hat Herr Hase am Anfang das zweiten Buches schlechte Laune. Deshalb schlägt Frau Bär dem wenig begeisterten Herrn Hase vor, gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Mit einem selbstgebauten roten Auto ihrer Brüder geht’s los ins Blaue. Aber natürlich geht es nicht lange gut, wenn zwei so unterschiedliche Charaktere zusammen Urlaub machen. Neben einer Autopanne sorgt vor allem das gemeinsame Zelt für Probleme. Aber die beiden schaffen das, denn nichts bringt die bärig gemütliche Frau Bär aus der Ruhe – schon gar nicht ein meckernder Herr Hase!

Die einfache Geschichte ist voller Witz in Wort und Bild. Es lohnt sich, die ausdrucksstarken Bilder genauer zu betrachten und entdeckt dann auch zum Beispiel die ganz besonderen Heringe für das Zelt.

Seit einiger Zeit bietet der Nord-Süd-Verlag, indem auch dieses wunderbare Bilderbuch erschienen ist, auf seiner Internetseite ein kleines Extra an: mit einem Zugangscode im Buch kann das jeweilige Hörbuch als MP3-Datei kostenlos heruntergeladen werden.

 

2009

Ein König für Deutschland

Daniela Kies (51. KW)

von Andreas Eschbach.
Bergisch Gladbach : Lübbe, 2009. - 491 S.
ISBN 978-3-7857-2374-6

Vincent Wayne Merrit ist ein cleverer Hacker aus Florida, der nach einer Gefängnisstrafe bei einer IT-Firma jobbt und dort den Auftrag erhält, ein Programm zur Manipulation von Wahlcomputern zu schreiben. Nur ein Prototyp, heißt es, zu Studienzwecken. Doch dann endet die US-Präsidentschaftswahl 2000 zwischen Bush und Gore umstritten knapp mit dem gewünschten Sieg Bushs. Merrit wird misstrauisch. Acht Jahre später wird er erpresst, ein solches Programm erneut zu schreiben. Um sich abzusichern, schickt er eine Kopie des heißen Materials zu seinem in Deutschland lebenden Vater namens Simon König. Mit einigen Aktivisten gründet König eine Spaßpartei, die unter dem Kürzel VWM (Volksbewegung zur Wiedereinführung der Monarchie) in den Bundestagswahlkampf 2009 eingreift - mit ungeahnten Folgen.

Was wie ein Politthriller beginnt, wird nach einigen raffinierten Plotwendungen zu einem Science-Fiction-Satire-Thriller, der durch hintergründige komödiantische Elemente und eine faszinierende, Fiktion und Fakten verbindende Dramaturgie besticht. Andreas Eschbach, der zur Riege der deutschen Top-Autoren zählt, fesselt den Leser von Anfang bis Ende mit dieser unglaublich wirkenden Story. Man möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und fragt sich zwischendurch, was wäre, wenn man tatsächlich plötzlich die Möglichkeit als König hätte, Dinge zu ändern und mit gesundem Menschenverstand die Welt geradezurücken.

 

40 Tage im Kloster des Dalai Lama

Daniela Kies (48. KW)

von Stephan Kulle
Frankfurt am Main : Scherz, 2009. - 396 S. : Ill. (farb.)
ISBN 978-3-502-15098-5

„Wenn man die Mystik des tibetischen Buddhismus erfahren hat, versteht man den christlichen Glauben noch besser.“ dies sagt der Journalist und Theologe Stephan Kulle, der zu den profiliertesten Kennern des Papstes und des Vatikans gehört. Für sein neues Buch lebte Stephan Kulle als erster westlicher Journalist mehrere Wochen im Kloster des Dalai Lama, um ihn und seine Religion aus allernächster Nähe zu erfahren. Während Kulles 40-tägigen Besuchs gewährten die Mönche ihm einen ungewöhnlich offenen Zugang zum Innersten des tibetischen Buddhismus. Er besuchte öffentliche Vorträge des Dalai Lama und führte ein Interview mit dem 17. Karmapa, dem Oberhaupt des Karma-Kagyü-Ordens. Gleichzeitig spürte er den Sehnsüchten vieler Pilger aus dem Westen nach, die zum Kloster des Dalai Lama im nordindischen Exil reisen, um für sich Sinn und Orientierung zu finden. Dabei reflektiert er sein eigenes Leben, die westliche Gesellschaft und den christlichen Glauben. In seinem Buch „40 Tage im Kloster des Dalai Lama berichtet er über seine Eindrücke und Erlebnisse. Das Buch ist eine Mischung aus fundiertem theologischen Wissen, journalistisch recherchierten Informationen und ansteckender Begeisterung und liefert einen packenden und inspirierenden Blick in eine andere spirituelle Welt, in der Milde und Mitgefühl groß geschrieben werden.

Stephan Kulle, der bei einem Verkehrsunfall eine Querschnittslähmung erlitt und heute wieder gehen kann, arbeitet unter anderem als Fernsehreporter und Moderator. Für 'Phoenix' berichtete der Vatikanexperte vom Konklave 2005. Dabei sorgte er für weltweites Aufsehen, als er vier Minuten vor der offiziellen Bekanntgabe den Namen des neuen Pontifex Maximus verkündete.

 

Powernanny – Das Beste für Ihr Kind

Brigitte Gehling (45. KW)

von Jo Frost
München : Goldmann, 2005 – 223 S.
ISBN 3-442-39088-5

Das Coverbild schreckt ab, schaut man aber in das Buch hinein, wird man überrascht.
Jo Frost, die Original-Nanny aus der britischen Erfolgsfernsehserie "Supernanny", bringt ihre Erziehungstipps übersichtlich und nachvollziehbar auf den Punkt. Ganz gezielt spricht sie all die Probleme an, denen Eltern Tag für Tag gegenüberstehen und zeigt, wie sie und ihre Kinder gemeinsam zu einem harmonischen Alltag finden.
Zur Sprache kommen folgende Themen:
Beim Kleinkind: Trennungsangst, Wutanfälle, Klammern.
Bei Kindergartenkindern: Tipps zum Tagesplan, zum Regeln aufstellen und Grenzen nennen. Was ziehen wir heute an? Sauberkeitserziehung, soziales Verhalten. Wie viel Fernsehen ist gut? Kontrolliertes Schreien.
Die Powernanny erklärt, warum es immer wieder zu diesen Situationen kommt, was in den Kindern vorgeht und wie Eltern liebevoll, aber konsequent eingreifen können.
Die Erfolgsmethoden der Powernanny Schritt für Schritt zum Nachlesen.

Rettungslos

Maria Willemsen (42. KW)

von Simone van der Vlugt
München : Diana-Verl., 2009. - 253 S.
Aus dem Niederländ. übers.
ISBN 978-3-453-29065-5

Mit ihrer Tochter Anouk lebt Lisa in einem Haus am Deich in einem kleinen Dorf in den Niederlanden.

Sie hängt gerade Wäsche im Garten auf, als ein Fremder auftaucht und sie ins Haus drängt. Ein Albtraum beginnt. Lisa und Anouk sind dem gewalttätigen Mann hilflos ausgeliefert. In den Nachrichten im Fernsehen sieht sie schockiert ein Suchfoto des Mannes: Kreuger, so heißt er, ist wegen Mordes verurteilt und aus der Psychiatrie entkommen. Verzweifelt sucht Lisa nach Fluchtmöglichkeiten für ihre Tochter und sich, doch ihr Peiniger scheint ihr immer einen Schritt voraus zu sein und hindert sie brutal daran, Hilfe zu holen.

Eine fremde Frau, die durch ein Fenster sieht, scheint die Rettung zu sein, aber sie taucht nicht wieder auf. Als ihre Mutter anruft, setzt der Geiselnehmer die Tochter als Druckmittel ein. Anouks Vater will sich mit seiner Tochter verabreden. Merkt er, dass etwas nicht in Ordnung ist? Kommt er, oder holt er Hilfe? Nichts passiert – Mutter und Tochter fügen sich hilflos den Anordnungen des Mannes, um Gewaltausbrüche zu vermeiden und ihr Leben zu retten. Lisa kapituliert scheinbar, lässt sich auf Kreuger ein, kocht für ihn und verwickelt ihn in lange Gespräche. Ihre Angst wird immer größer, als sie mehr über ihn erfährt. Sie vermeidet alles, was den Mann provozieren könnte, trotzdem scheint die Lage aussichtslos zu sein und keine Rettung möglich.

Bis zum Schluss versteht es die Autorin, den Leser im Unklaren zu lassen, wie in einem Horrorfilm. Ein spannendes Buch, das man in einem Rutsch durchlesen möchte.

 

Der Joker

Annika Harmeling (39.KW)

von Markus Zusak
München : cbj, 2006. – 443 S.
ISBN 3-570-13107-6

Ed Kennedy. Taxifahrer. Loser des Viertels und der Inbegriff der Mittelmäßigkeit. Ein jämmerlicher Kartenspieler. Ein Verlierer. So denkt er über sich selbst. Bis zu dem Tag, an dem er eine Spielkarte in seinem Briefkasten findet, die seinem Leben eine andere Richtung gibt. Ein Karo-Ass. Darauf stehen drei Adressen. Die Neugier treibt ihn hin zu diesen Orten, doch was er dort sieht, bestürzt ihn zutiefst: drei unerträglich schwere Schicksale, Menschen, die sich nicht selbst aus ihrem Elend befreien können. Etwas in Ed schreit laut: »Du musst handeln! Tu endlich was!« Doch er muss über seinen Schatten springen. Dreimal fasst er sich ein Herz, dreimal verändert er ein Leben. Da flattert ihm die nächste Karte ins Haus. Wieder und wieder ergreift Ed die Initiative – wächst über sich hinaus, doch wer ihn auf diese eigenartige Mission geschickt hat, ist ihm völlig schleierhaft. Immer merkwürdigere Dinge geschehen.

Eine Geschichte über Zivilcourage, ungeheuer spannend, lebensbejahend und mit viel Situationskomik erzählt.

„Der Joker“ wurde 2007 mit dem Deutschem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

 

Rico, Oskar und das Herzgebreche

Claudia Herbstmann (36. KW)

von Andreas Steinhöfel
Hamburg : Carlsen, 2009. – 268 S.
ISBN 978-3-551-55459-8

Nach dem glücklichen Ende des ersten Bandes „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ (hierfür erhielt der Autor im Juni den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis) folgt nun das zweite Buch mit den sympathischen Protagonisten.

Der hochbegabte Oskar wird von seinem Vater bei Rico und seiner Mutter „geparkt“ und geht natürlich mit zum traditionellen Bingoabend im Gemeindezentrum. Dort bemerkt er schnell, dass Ricos Mama betrügt und unrechtmäßig eine Handtasche gewinnt. Rico kann es nicht glauben, dass seine Mutter kriminell ist. Gemeinsam versuchen die ungleichen Freunde hinter das Geheimnis zu kommen.

Auch wenn es sich nicht so anhört ist das Buch mehr als ein Kinderkrimi. Andreas Steinhöfel schafft es wieder die speziellen Eigenheiten seiner Hauptpersonen locker und lustig zu beschreiben. Der neunmalkluge, hochbegabte und besserwisserische Oskar ist einem genauso ans Herz gewachsen wie der „tiefbegabte“ und oft schusselige Rico. Auch die Charaktere der anderen Protagonisten in der Dieffe 93, einem sozial schwachen Wohnort in Berlin, werden liebenswert beschrieben. Egal ob der schrullige Fitzke oder die depressive Frau Dahling mit ihren Müffelchen, alle Personen sind schlüssig weiterentwickelt worden. Die Tagebucheinträge von Rico runden den 2. Band gelungen ab. Band 3 ist in Vorbereitung und nach der starken Fortsetzung darf man sich auch darauf freuen.

Ein Buch für die ganze Familie, besonders aber für Kinder ab 10 Jahren.

 

Tante Inge haut ab

Daniela Kies (33. KW)

von Dora Heldt
München : Dt. Taschenbuch-Verl., 2009. - 336 S.
ISBN 978-3-423-24723-8

Christine möchte mit ihrem Liebsten Johann ein paar unbeschwerte Ferientage im Haus ihrer Eltern auf Sylt verbringen. Doch als sie Johann am Sylter Bahnhof abholen will, läuft sie dort Tante Inge über dem Weg. Diese trägt einen knallroten Hut und hat zahlreiche Koffer dabei, aber nicht ihren Mann Walter. Außerdem hat sie ihr Kommen nicht angekündigt. Alles sehr merkwürdig! Es stellt sich heraus, dass sie eine Auszeit von der Ehe nehmen und ihr Leben umkrempeln will. Sie scheint ganz eigene Ziele auf der Insel zu verfolgen und trifft sich mit einem weitaus jüngeren attraktiven Mann. Ihr Bruder Heinz ruft daraufhin besorgt Inges Mann Walter und seinen Norderneyer Freund Kalli zu Hilfe. Das männliche Trio sorgt für allerlei Wirbel als sie sich auf die Fährte des vermeintlichen Verehrers begeben.

Die in Hamburg lebende Autorin hat erneut einen äußerst unterhaltsamen Roman mit den Protagonisten aus ihrem Bestseller „Urlaub mit Papa“ geschrieben und man hat das Gefühl gute alte Bekannte wieder zu treffen. Aber auch wer dieses Buch nicht gelesen hat, wird mit „Tante Inge haut ab“ lückenlos vergnügliche Stunde verbringen, das auch für das kriminalistische Herz etwas zu bieten hat.

Eine besondere Empfehlung verdient auch das Hörbuch zu diesem sommerleichten Familienroman gelesen von Ulrike Grote. Die Sprecherin versteht es einfach fabelhaft, den einzelnen Charakteren stimmlich Leben einzuhauchen.

 

Skelly und Jake

Rita Berger (30. KW)

von Barbara Park
München : Bertelsmann, 2003. - 125 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 3-570-12699-4

Seit seiner Geburt lebt Jake mit seiner Mutter bei seinem Großvater Skelly. Dieser ist stets für ihn da, ist ihm Vaterersatz und Freund, vermittelt ihm Mut und Stärke und bietet ihm Schutz, Rat und Zuwendung, wann immer Jake ihn braucht. Als Jake 10 Jahre alt wird, erkrankt Skelly an Alzheimer. Jake erlebt, wie sich sein Großvater zunächst kaum merklich, dann immer deutlicher verändert, Dinge vergisst, Wörter verwechselt, schließlich nicht einmal mehr seine engsten Angehörigen erkennt. Er wird zum Pflegefall. Nun ist es Skelly, der Hilfe und Verständnis braucht. Obwohl Jake seinen Großvater über alles liebt und alles tut, um ihm zu helfen, beginnt auch er, sich mehr und mehr des alten Mannes zu schämen, der ihn immer öfter in peinliche Situationen bringt. So kommt es auch, dass er keine Freunde mehr zu sich einlädt. Er hört auf Sport zu treiben und zieht sich immer mehr zurück. Das macht ihn wütend, aber auch traurig, denn ihm wird auch immer wieder bewusst, wie wichtig ihm der Großvater ist und das motiviert ihn, Skelly weiterhin zu helfen und zu ihm zu stehen.

Realistisch, überzeugend und einfühlend beschreibt die Autorin das Krankheitsbild aus der Sicht eines 16-jährigen, der vom behüteten Kind zum verantwortungsbewussten Jugendlichen heranreift. Dabei wird auch deutlich, wie das Fortschreiten der Krankheit das Familienleben immer mehr beeinflusst und zunehmend Kraft kostet. Die Geschichte macht betroffen und regt zum Nachdenken an. Sie wirkt aber nicht bedrückend, da viele Situationen auch mit feinem Humor erzählt werden. Sie trägt aber vor allem gerade bei Jugendlichen sehr zum Verständnis der Krankheit bei und ist gleichzeitig auch noch Zeugnis für ein wunderbares, enges Großvater-Enkel-Verhältnis.

Barbara Park ist eine der beliebtesten Jugendbuchautorinnen der USA. Ihre Bücher wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

 

Sterben wie Gott in Frankreich

Brigitte Gehling (27. KW)

ein Wein-Roman von Michael Böckler
München : Knaur, 2004. - 414 S.
ISBN 3-426-62769-8

Michael Böckler ist bekannt für seine Kriminalromane, die sich gleichzeitig als Reiseführer lesen lassen – mit stark kulinarischen Akzenten. In Sterben wie Gott in Frankreich hat der Autor sein Konzept variiert und einen Roman geschrieben, der zugleich ein Weinführer ist. Randinformationen auf den Buchseiten informieren über alle großen französischen Weine, Rebsorten und Hintergrundinformationen. Besonders schön ist es, wie der Autor die selbst ernannten Weinexperten aufs Korn nimmt. Auch der umfangreiche Anhang mit Tipps zu den im Buch erwähnten Rezepten und Reisezielen sind eine gute Idee.

Kurzbeschreibung:
In der Provence wird ein Weinhändler mit einer Flasche Lafite-Rothschild erschlagen, und das Mitglied einer exklusiven Weinbruderschaft ertrinkt in einem Teich. Als sich die mysteriösen Vorfälle häufen, ist es aus mit dem faulen Leben, das Hippolyt Hermanus doch so liebt. Denn der Weinkenner und Psychologe hat früher in einer Sonderkommission der Polizei gearbeitet. Begleitet von Valérie, die sich Hals über Kopf in ihn verliebt hat, macht er sich auf die Jagd nach den Schuldigen - quer durch Frankreich.

 

Kamfu mit helfen?

Claudia Herbstmann (24. KW)

von Barbara Schmidt
mit Bildern von Dirk Schmidt
München : Kunstmann, 2009. - [16] Bl.
ISBN 978-3-88897-568-4

Ein Elefant der zu schnell gelaufen ist, dabei stolperte und gegen eine Mauer prallte hat nun ein Problem: nach dem Sturz ist sein Rüssel krumm und schief. Erst versucht er sich allein zu helfen, dann holt er sich Rat beim Ameisenbär: „Kamfu mir helfen?“ Der Ameisenbär hat eine Idee, doch auch die hilft ihm nicht weiter, beim Schwein ergeht es dem Elefanten ähnlich. Doch dann hat die Fliege die Lösung parat, nicht ahnend dass sie damit das Problem des Elefanten erbt.

Dieses herrliche Bilderbuch besticht nicht nur durch die gelungene Illustrationen, sondern gerade auch durch den Text von Barbara Schmidt, der mit zwei Besonderheiten aufwartet: erstens wird die gesamte Geschichte in Reimform (Ein Elefant ist hingeflogen und hat den Rüssel sich verbogen...) erzählt und zweitens muss der Vorlesende den Sprachfehler des Elefanten mit vorlesen. (Fnief, mein Rüffel if noch immer fief). Das ist nicht immer leicht und locker zu bewerkstelligen – sorgt aber für große Lacher bei den Kindern.

Ein riesengroßer Bilderbuchspaß für alle Kinder ab dem Kindergartenalter und auch für viele Erwachsene.

 

Zwei alte Frauen

Rita Berger (21. KW)

eine Legende von Verrat und Tapferkeit
von  Velma Wallis
Hamburg : Klein., 1994. - 120 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 3-89521-017-X

Dies ist die Geschichte zweier alter Frauen aus dem Stamm der Athabasken, die in der Polarregion von Alaska leben.
Während eines strengen Winters wird ein Nomadenstamm von einer großen Hungersnot heimgesucht. Nur das Verlassen des Winterlagers und die Suche nach neuer Nahrung sollen einen Ausweg bieten. Der Häuptling beschließt, wie das alte Stammesgesetz es vorschreibt, die beiden ältesten Frauen als „unnötige Esser“ zurücklassen. Niemand, nicht einmal die Tochter der einen Frau wagt es, gegen diese Entscheidung aufzubegehren.
Doch die beiden Frauen ergeben sich nicht einfach in ihr Schicksal, das den sicheren Tod bedeutet hätte. Nachdem der anfängliche Zorn und das Entsetzen gewichen sind, fassen sie wieder Mut und der Wille zu überleben erwacht. Nach und nach erinnern sie sich an ihre fast schon vergessenen früheren Fähigkeiten. Mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln bauen sie Fallen, gehen auf die Jagd, fangen Fische, fertigen sich Kleidung und legen sogar Vorräte für den nächsten Winter an.
Am Ende helfen sie dann sogar dem eigenen Stamm, der unter extremem Hunger leidend, aber auch von schlechtem Gewissen geplagt, weil sie die alten Frauen ausgesetzt haben, nach ihnen sucht. Voller Hochachtung und Anerkennung der Leistung und voller Dankbarkeit für die Hilfe, die sie von den Frauen erfahren, willigen sie ein, künftig nach deren Bedingungen und Regeln wieder zusammen zu leben.

Velma Wallis (*1960), selbst indianischer Abstammung, hat diese Legende, die von Generation zu Generation überliefert wurde, von ihrer Mutter erzählt bekommen.

Diese Geschichte beschreibt eindringlich, wie die beiden Frauen trotz ihres hohen Alters und der ausweglos erscheinenden Situation, mit viel Mut und Zuversicht und unter Aufbringen der gesamten Kräfte, es schaffen, zu überleben. Gegenseitige Ermutigung, ihre wachsende Freundschaft und Achtung füreinander helfen ihnen und machen sie stark.

Ein Buch, das berührt und zeigt, dass man auch in schwierigen Situationen vieles erreichen kann.

 

Dem Leben auf den Fersen – zu Fuß von Flensburg nach Rom

Brigitte Gehling (18. KW)

die Geschichte meiner Reise zu mir selbst
von Kurt Peipe mit Michaela Seul
Droemer, 2008. – 317 S.
ISBN 978-3-426-27474-3

Seine eigene, bewegende und Mut machende Geschichte erzählt Kurt Peipe in diesem Buch. Als die Ärzte ihm, dem krebskranken sagen, sie könnten nichts mehr für ihn tun, weiß er, was er zu tun hat. Statt sich zurückzuziehen, macht er sich auf und wandert in 166 Tagen von Flensburg nach Rom. Auf den 3350 Kilometern, bepackt mit Rucksack, Schlafsack und Zelt, schläft er oft in Ställen, Garagen oder Schuppen oder auch unter freiem Himmel. Seine täglichen Aufzeichnungen erzählen von den vielen Erlebnissen aber auch Schwierigkeiten. Er lernt bei dieser Wanderung viel über die Menschen. Vor allem dies: „Die Menschen sind besser als ihr Ruf.“

Kurt Peipe ist 62 Jahre alt und erfährt die niederschmetternde Diagnose: Krebs im Endstadium, eine Heilung ist ausgeschlossen. Er sagt: „Ich weiß, dass mein Leben nicht mehr lange dauert. Und ich kann jedem in dieser Situation nur raten: Mach, was dir Erfüllung bringt, selbst wenn es noch so verrückt ist.“ Eigentlich wollte Kurt Peipe auf dieser Reise nur sich selbst finden, aber er fand noch mehr: das Vertrauen in die Menschen.

 

Einfach nur Grace

Daniela Kies (15. KW)

von Charise Mericle Harper
Hamburg : Dressler, 2009. - 138 S
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-7915-0826-9

Grace (fast 9) wird von Pech verfolgt. Gleich drei weitere Mädchen mit dem Namen Grace befinden sich zu Schuljahresbeginn in ihrer Klasse, sodass sie von ihrer Lehrerin, um diese besser auseinander zu halten, durch ein Missverständnis den Namen „Einfach nur Grace“ erhält. Doch sie lässt sich durch dieses oder andere Missgeschicke im Leben nicht unterkriegen und  versucht stattdessen mit ihrer eigenen „klitzekleinen Superpower“, der Empathie für fremde Traurigkeit, andere aufzuheitern. Leider verlaufen diese Aufheiterungsaktionen nicht immer ganz reibungslos. So will sie u.a. ihre Nachbarin Mrs. Luther trösten, weil ihr Kater Crinkels sie wegen ihres Gipsbeins meidet. Jedoch wird die Aktion mit den selbstgemachten Katergruß-Postkarten missverstanden und für die Erpresserbriefe eines mutmaßlichen Entführers gehalten, als eben diese Katze plötzlich verschwunden ist. Ausgerechnet der eklige Sammy Stringer aus ihrer Klasse hilft ihr dabei, die Sache wieder in Ordnung zu bringen.

Die meisten jungen Leser werden sich in der sympathischen Heldin und ihrer Probleme wieder finden. Der amerikanischen Autorin gelingt es durch die realistische Darstellung der Charaktere und ihrer alltäglichen „kleinen“ Probleme ein hohes Identifikationspotential zu schaffen. Die vielen witzigen Zeichnungen der Autorin im Stil von Comicskizzen, unterstreichen die Handlung und bereichern den Text in kindgerechter Sprache.

 

Pups macht das Mammut

Daniela Kies (12. KW)

Vorsicht tierische Geräusche!
von Noé Carlain & Anna Laura Cantone
Hildesheim : Gerstenberg. 2008 – 26 Bl.
ISBN 978-3-8369-5203-3

Aus diversen Sachbüchern ist bekannt, dass Fische pupsen. Aber was passiert eigentlich, wenn eine Schnecke pupst? Oder eine Ente? Und welche verheerenden Auswirkungen hat ein Mäusepups auf Käse? Der französische Autor Noé Carlain geht diesen Fragen unkonventionell nach und nimmt sich 24 Tiere und ihre Verdauung vor. In witzigen gereimten Zweizeilern erfährt man u.a. von der Wirkung der pupsenden Laus auf die Haare des Wirts, der Durchschlagkraft des Drachenwinds und einem praktischen Hamsterantrieb.

Zusätzlich gibt die Illustratorin Anna Laura Cantone jeder Doppelseite ihr eigenes Gesicht. Der Hintergrund besteht jeweils aus einer Collage aus Stoffen in warmen Erdtönen. Umso mehr leuchten die karikierten Tiere mit ihrer aussagekräftigen Mimik – schelmisch, hinterlistig, völlig entrückt oder einfach genießerisch.

Ein herrliches Bilderbuch mit echtem Kicherfaktor, das nicht nur Kinder einlädt, es immer wieder anzuschauen und selbst nachzudichten.

 

Wie man unsterblich wird

Claudia Herbstmann (9. KW)

jede Minute zählt
von Sally Nicholls
Hanser : München. 197 S. – 2008
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-446-23047-7

Die Autorin ist gerade mal 23 Jahre alt, als sie ihren Debütroman „Wie man unsterblich wird : jede Minute zählt“ schreibt. Sie erzählt in diesem Kinderbuch von dem 11jährigen Sam, der unheilbar an Leukämie erkrankt ist. Sam und sein ebenfalls kranker Freund Felix werden zuhause unterrichtet und die Lehrerin hat die Idee, dass Sam ein Buch schreiben könnte. Darin berichtet er tagebuchartig aus seinem Leben, verfasst Listen z.B. „Fünf Tatsachen über mich“ oder „Was ich gerne möchte“ und stellt unbequeme Fragen (Wieso lässt Gott Kinder krank werden? oder auch Tut sterben weh?). Gemeinsam mit seinem Freund versucht er sich und damit auch dem Leser das unfassbare zu erklären: er und Felix werden bald sterben. Unbefangen, wie nur Kinder dies können, gehen Sam und Felix mit Tod, Sterben und Krankheit um.
Die Autorin beschreibt die Ohnmacht der Erwachsene – besonders Sams Vater tut sich schwer und beim Lesen denkt man zwangsläufig über sehr existentielle Dinge nach. Wie gehe ich mit Tod und Trauer um? Was habe ich Glück in meinem Leben! – genieße ich es auch? Bete ich zu Gott nur wenn es mir schlecht geht?

Das Buch ist trotz des Thema auch lustig, weil Sam und Felix ungeachtet ihrer tödlichen Krankheit auch 11- und 13jährige Lausbuben sind, es ist nie langweilig, es ist nachdenklich, zum weinen traurig, hoffnungsvoll und einfach lesenswert!!!
Das Buch steht auf der Empfehlungsliste zum diesjährigen Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreise. Ich drücke beide Daumen, dass es Anfang März zum Preisträger gekürt wird. (Hat leider nicht geklappt.)

 

Der Apfel

Daniela Kies (6. KW)

Text von Jinny Johnson. Ill. von Simon Mendez
[mit Spiel-Elementen und Klappen]
Düsseldorf : Sauerländer, 2008. - 24 S.
(Wunderbare Welt der Pflanzen)
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-7941-9155-0

Wie wird aus dem winzigen Apfelkern einmal ein großer, stattlicher Apfelbaum, der selbst wunderschöne rote Äpfel trägt? Diese Frage wird in dem Bildersachbuch „Der Apfel“ aus der Reihe „Wunderbare Welt der Pflanzen“ beantwortet.
Mit Hilfe von aufklappbaren Seiten, Spiel-Elementen, kindgerechten Sachtexten und anschaulichen Illustrationen (überwiegend Fotos) können Kinder ab 5 Jahren entdecken, wie komplex dieser Mikrokosmos des Entstehens und Werdens im Wechsel der Jahreszeiten ist. Der Kreislauf vom Samen bis zur Frucht wird auf reizvolle und plastische Weise dargestellt. So veranschaulichen z.B. drei kleine Bienchen, die an eingeklebten Fäden bewegt werden können, den Bestäubungsvorgang. An dieser spielerisch-lehrreichen Entdeckungsreise werden auch Erwachsene ihre Freude haben und noch das ein oder andere Faszinierende zum Apfel erfahren. Oder hätten Sie gewusst, dass Äpfel zur selben Pflanzenfamilie wie Rosen gehören oder der schwerste jemals geerntete Apfel 1,8 kg wog?

Ein weiterer Titel aus dieser Reihe ist „Der Kürbis“. Ferner sind in der konzeptgleichen Reihe "Die wunderbare Welt ..." Titel zu Schmetterlingen, Käfern und Spinnen erschienen.

 

Die zehnte Gabe

Daniela Kies (2. KW)

von Jane Johnson
München : Page & Turner, 2008. - 475 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-442-20325-3

Das Abschiedsgeschenk – ein antiquarische Buch mit dem Titel „Der Stolz der Stickerin - ihres langjährigen Liebhabers verändert Julia Lovets Leben. Julia ist fasziniert von dem wertvollen Band – umso mehr, als sie darin neben dem eigentlichen gedruckten Inhalt zahlreiche handschriftliche Anmerkungen findet - die Tagebucheintragungen von Catherine Anne Tregenna, einer Meisterstickerin. Anhand der Einträge rekonstruiert Julia, dass Catherine im Jahre 1625 gemeinsam mit Dutzenden anderer aus Cornwall von grimmigen Freibeutern entführt wurde, um Lösegeld zu erzielen oder um auf dem Sklavenmarkt im marokkanischen Salé viel Geld einzubringen. Julia gerät mehr und mehr in den Bann von Catherines Aufzeichnungen und fliegt schließlich selbst nach Marokko, um Catherines Geschichte an Ort und Stelle weiter zu verfolgen. Dort beginnt nun ihr ganz persönliches (Liebes)Abenteuer.
Dieses wird kein romantisches Leser(innen)herz unberührt lassen.

Die aus Cornwall stammende Autorin, Jane Johnson, verarbeitet in ihrem spannenden, exotischen aber auch anspruchsvollen Roman eigene Erlebnisse. Sie stieß in ihrer Familiengeschichte auf eine Ahnin, die auf solch einem Raubzug entführt worden war. Jane Johnson machte sich, wie ihre Romanheldin Julia, auf den Weg nach Marokko, um genauer zu recherchieren. Johnson ist seit drei Jahren mit einem marokkanischen Restaurantinhaber verheiratet.

 

2008

Der salzige Kuss

Claudia Herbstmann (49. KW)

von Gerda van Erkel
Reinbek bei Hamburg : Rowohlt Taschenbuch-Verl., 2008. - 332 S.
Aus dem Niederländ. übers.
ISBN 978-3-499-21426-4 

Aus der Sicht dreier Jugendlicher erzählt Gerda van Erkel eine anrührende Geschichte um Liebe, Freundschaft und Tod.
Nienke ist die erste Erzählerin: Sie hat eine besonders aggressive Form der Mukoviszidose und weiß, dass sie daran sterben wird. Kobe, der zweite Protagonist versucht erfolgreich sein Übergewicht zu bekämpfen. Und auch die dritte im Bunde, Steffi, ist stark übergewichtig, steht aber noch am Anfang ihrer Therapie. Die drei Jugendlichen treffen sich in einem Sanatorium am Meer. Zwischen Nienke und Kobe entwickelt sich im Laufe der Handlung eine Liebesgeschichte, zwischen Nienke und Steffi eine Freundschaft. Abwechselnd berichten sie über ihren Alltag und ihre jeweiligen Probleme.

Ein Buch, das trotz des traurigen Themas Mut macht. Nienke zeigt dem Leser, das es nicht wichtig ist wie lange man lebt, sondern dass man lebt. Kobe begreift, dass jemanden zu lieben auch heißen kann ihn gehen zu lassen und Steffi merkt, dass sie für positive Veränderungen selber kämpfen muss.

„Ein besonders Buch über den Wert des Glücks und die Kraft der Liebe“ (Klappentext).

 

Ein vollkommener Tag

Brigitte Gehling (46. KW)

von Richard Paul Evans
Bergisch Gladbach Lübbe, 2007 – 348 S.
Aus dem Engl. übersetzt
ISBN 978-3-431-03633-6 

Robert Harlan liebt seine Frau Allyson und seine Tochter Carson. Seine Frau ermutigt ihn, sein Hobby zum Beruf zu machen und Schriftsteller zu werden. Er versucht sich als Autor und erzählt in seinem Buch die letzten gemeinsamen Wochen, die seine Frau Allyson mit ihrem Vater verlebte, bevor dieser an Krebs starb. Nachdem dieses Buch zum Bestseller wird ist er nur noch unterwegs und verliert er seine geliebte Familie aus dem Blick. Ein Unbekannter, der seine Vergangenheit und Zukunft zu kennen scheint, prophezeit Robert Harlan, dass er am letzten Tag des Jahres sterben wird ...

Richard Paul Evans lebt mit seiner Familie in Utah, Salt Lake City. Alle seine Romane gelangten auf die Bestsellerliste der New York Times. Weltweit wurden über 13 Millionen Exemplare seiner Bücher verkauft. Außerdem ist Evans der Gründer der „The Christmas Box House International“, einer Organisation, die es sich zum Ziel gemacht hat, missbrauchten und verstoßenen Kindern zu helfen. Die Honorare für seine Kinderbücher stiftet er dieser Organisation.

 

Der Junge im gestreiften Pyjama

Daniela Kies (43. KW)

eine Fabel
von John Boyne
Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verl., 2007. - 266 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-596-85228-4

Als Brunos Vater, ein hoher NS-Funktionär, Kommandant in Auschwitz wird, ändert sich in der Welt des Neunjährigen alles. Die Familie zieht von Berlin nach „Aus-Wisch“. Erstaunt nimmt er wahr, dass auch hier viele Kinder leben, die jedoch durch einen Drahtzaun von ihm getrennt sind und die merkwürdige Angewohnheit haben, tagsüber gestreifte Pyjamas zu tragen. Heimlich freundet er sich am Zaun mit dem gleichaltrigen Schmuel an, der jedoch auch keine Antworten auf die Fragen hat, die Bruno nicht stellen darf, da in seiner Familie über das Lager und was dort passiert beharrlich geschwiegen wird. Und während er erforscht, wovon er unwissentlich ein Teil ist, gerät er unvermeidlich in die Fänge des schrecklichen Geschehens.

Der irische Autor John Boyne erzählt strikt aus der Perspektive Brunos, der zwar den Schrecken ahnt, aber dem die Ereignisse rätselhaft bleiben. Dadurch wird dem Unfassbaren mit den Augen eines unschuldigen Kindes begegnet. Die bedrohliche Atmosphäre des Romans/ der Fabel wird jeden, egal ob erwachsenen oder jugendlichen Leser, ergreifen und erschüttern, gerade weil der Autor auf die Schilderung von Gräuelszenen und emotionale Ansprache verzichtet. Ein literarisches Highlight.

 

„Erst ich ein Stück, dann du“

Daniela Kies (40. KW)

ein neues Vorlesekonzept

Den Übergang vom Vorlese- zum Erstlesebuch zu finden, ist weder für Eltern noch für Kinder ein leichtes Unterfangen. Besonders für Leseanfänger ist das Lesen noch anstrengend und mühsam. Die Reihe „Erst ich ein Stück, dann du“ aus der Verlagsgruppe Random House ist sehr gut geeignet, diesen Übergang leichter zu gestalten und schließt somit eine Lücke auf dem Buchmarkt. Die Bücher für Kinder ab 6 Jahren zeichnen sich dadurch aus, dass die spannenden und lustigen Geschichten in anspruchsvollere Texte für geübte Vorleser (z. B. die Eltern) und in kurze Abschnitte für Erstleser aufgeteilt sind. Diese sind in Fibelschrift besonders groß gedruckt und zudem einfach genug, damit das Lesen auch Spaß macht. Hinzu kommen viele bunte fröhliche Bilder bekannter Kinderbuchillustratoren. Die Geschichten sind in 10-12 Kapitel gegliedert, sodass das (Vor-)Lesen in mehrere Etappen eingeteilt werden kann.

Ich kann der Empfehlung der „Stiftung Lesen“ nur zustimmen: Zum gemeinsamen Lesen in Familie, Schule, Vorlesepatenschaften oder Förder- und Integrationsinitiativen ist diese Reihe ein heißer Tipp. Gemeinsam in eine Geschichte eintauchen, sich vorlesen lassen und sich selbst anstrengen – so werden aus Anfängern begeisterte Bücherwürmer.

Alle sechs bisher erschienenen Bände wurden von Patricia Schröder geschrieben, Verfasserin zahlreicher Kinder- und Jugendbücher: „Kleines Pony, großes Glück“, „Ein Drachenfreund für Linus“, „Leo und das Mutmach-Training“, „Mirella und das Nixen-Geheimnis“, „Camillo, ein Hund macht Ferien“ und „Eine Burg für Ritter Rudi“. Für Februar 2009 sind zwei weitere Titel angekündigt.

 

Schattenschwester

Maria Willemsen (37. KW)

von Simone van der Vlugt
München : Diana Verl., 2007. - 367 S.
Aus dem Niederl. übers.
ISBN 3-453-29034-8

"Schattenschwester“ ist der zweite Psychothriller der niederländischen Autorin Simone van der Vlught.

Die Lehrerin Marjolein wird im Unterricht von einem Schüler mit dem Messer bedroht. Wenige Wochen später wird sie ermordet. Ein klarer Fall – so scheint es zunächst. Im Rückblick werden aber die Zweifel immer größer.
In wechselnden Erzählperspektiven werden die Abgründe der beruflichen und privaten Beziehungen aufgezeigt. Marjolein berichtet von den Ereignissen nach dem Überfall, ihrer Angst vor dem aggressiven Schüler und den negativen Reaktionen von Kollegen, der Familie und den Freunden. Ihre Zwillingsschwester Marlike erzählt von der Zeit nach dem Tod von Marjolein und versucht, die Tat aufzuklären. Plötzlich ist jeder verdächtig, nichts ist mehr so, wie es anfangs schien: Die Kollegen sorgen sich um den Ruf der Schule und ihren Job. Die Schwester fühlt sich wie amputiert, stand aber auch immer im Schatten der dominanten Marjolein. Die Ehe war vielleicht doch nicht so perfekt.

Bis zum Schluss versteht Simone van der Vlught es, die Spannung zu erhalten. Dieser Psychothriller mit seinem ganz eigenen Stil hat mich daher von Anfang an gefesselt.

 

Neunzehn Minuten

Claudia Herbstmann (34. KW)

von Jodi Picoult
München [u.a.] : Piper, 2008. – 479 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-492-05080-7

Innerhalb von 19 Minuten zerstört der siebzehnjährige Amokläufer Peter Houghton das Leben von 10 Mitschülern, Lehrern und auch von den Überlebenden und Angehörigen des Massakers. Das Buch erzählt außerdem – in Rückblenden – das Schicksal von Peter und schildert drastisch seine Beweggründe zu dieser Tat. In verschiedenen Kapiteln unterteilt kommen abwechselnd seine Familie, ehemalige Freunde, Mitschüler und die ermittelnde Richterin zu Wort. Deren Tochter, Josie, hat das Massaker überlebt und könnte wichtige Aussagen machen, ist aber anscheinend traumatisiert und verängstigt. Außerdem war sie früher die beste Freundin des Täters.

Jodi Picoult ist mit diesem Buch ein unglaubliches Psychogramm eines Amokläufers gelungen. Sie beleuchtet dabei nicht nur die Opferseite sondern auch die des Täters – der auch immer Opfer war. Mitleid mit Peter kommt jedoch nicht auf, Picoult macht deutlich, dass sein Handeln falsch ist. Der Leser bleibt betroffen und nachdenklich zurück. Hätte der Amoklauf verhindert werden können? Wie viel Mitschuld trägt die Umwelt des Täters?

Ein aufwühlendes Buch, dem man viele Leser wünscht. Nicht nur Lehrer, Eltern und Erzieher sondern auch ältere Jugendliche werden nach der Lektüre ihr Umfeld – hoffentlich – mit anderen Augen sehen. Auch das Hörbuch ist sehr empfehlenswert!

 

Mieses Karma

Daniela Kies (31. KW)

von David Safier
Reinbek bei Hamburg : Rowohlt-Taschenbuch-Verl., 2008. - 282 S.
ISBN 978-3-499-24455-1

Am Tag, als die Moderatorin Kim Lange den Deutschen Fernsehpreis gewinnt, stirbt sie – erschlagen vom Waschbecken einer herabstürzenden russischen Raumstation. Buddha selbst überwacht ihre Wiedergeburt und sie erfährt, dass sie sich nun auf die Werte besinnen muss, um geläutert zu werden, da sie in ihrem Leben viel zu viel mieses Karma gesammelt hat. Kim Lange wird jedoch als Ameise wiedergeboren und sie muss hilflos mit ansehen, wie ihr Mann sich mit einer Neuen tröstet, während sie Gummibärchenreste durch die Welt schleppt. Es gibt nur einen Ausweg: gutes Karma muss her, damit es auf der Reinkarnationsleiter wieder aufwärts geht. An ihrer Seite ist der italienische Frauenheld Casanova höchstpersönlich, der ebenfalls auf der Suche nach gutem Karma ist. Kim bekommt außerdem als Kuh, als Meerschweinchen, als Beagle und als ostdeutsche Wuchtbrumme eine neue Sicht aufs Leben, bis sich ein haarsträubend-gutes Ende anbahnt.

David Safier, Drehbuchautor der Serien Nikola, Meine Leben und ich und Berlin, Berlin, hat mit „Mieses Karma“ ein gelungenes Erstlingswerk geliefert. Der Roman ist gut geschrieben, kurzweilig, witzig und bestimmt ohne Tiefgang. Genau das Richtige für einen lauen Sommerabend.

 

Nimm sein Bild in dein Herz

Brigitte Gehling (28. KW)

geistliche Deutung eines Gemäldes
von Rembrandt
von Henri Nouwen
Freiburg : Herder, 1993. - 171 S.
ISBN 3-451-22404-6

Nouwen stellt wesentliche Beziehungen zwischen dem Gleichnis Jesu vom verlorenen Sohn (Lukas 15,11-32) und dessen Darstellung durch den Maler Rembrandt heraus. Jahrelang beschäftigt er sich mit dem Bild und schließt daraus auf sein eigenes Leben.

In der ersten Phase findet Nouwen sich selbst in dem jüngeren Sohn wieder. Auch Nouwen ist, nach beruflich bedingten, ständigen Ortswechseln, auf der Suche nach einem neuen Zuhause.
Eine zweite Phase beginnt, als ein Freund ihm sagt: Vielleicht gleichst du eher dem älteren Sohn, so angepasst, gradlinig. hart arbeitend. Nun sieht er sein Leben aus einer anderen Richtung.
In einem dritten Abschnitt führt die Betrachtung zur eigentlichen Mitte des Rembrandt-Bildes, den Händen des Vaters. Das Licht strahlt auf die feingliedrige, mütterliche, rechte Hand sowie die linke, väterliche Hand. Die Haltung der Hände zeigt die unvergängliche Liebe des Vaters.
Mühelos wird der Leser im „Ich“ des Verfassers immer wieder sich selbst erkennen.

Ein empfehlenswertes Buch für Menschen, die dem christlichen Glauben nahe stehen, aber gerade auch für jene, die sich mit dem Glauben und ihrem Leben auseinander setzen.

 

Dienstags bei Morrie

Rita Berger (25. KW)

die Lehre eines Lebens
von Mitch Albom
München : Goldmann, 2005 - 217 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-442-30820-0

Mitch Albom, amerikanischer Journalist, Radiomoderator und Fernsehkommentator, erfährt per Zufall durch das Fernsehen, dass sein ehemaliger Lieblingsprofessor Morrie Schwartz an ALS erkrankt ist und nicht mehr lange zu leben hat. Er nimmt daraufhin Kontakt zu seinem alten „Coach“ auf und besucht ihn von da an 14 Wochen lang bis kurz vor dessen Tod – immer dienstags. Dies ist ihr letztes gemeinsames Projekt. In den sehr intensiven Gesprächen, die Mitch auch auf Tonband aufzeichnet, geht es um die fundamentalen Fragen des Lebens: um Menschlichkeit, Liebe, Ehe, Familie, Selbstmitleid, Reue, Verzeihen, Alter und Tod. Sehr beeindruckend ist, dass Morrie, trotz fortschreitender Krankheit und Gebrechlichkeit, seine Würde, seinen Mut, seine Gelassenheit und seinen Humor nicht verloren hat.

Dieses in einfacher, klarer Sprache mit vielen Dialogen geschriebene, sehr berührende Buch regt dazu an, über das eigene Leben und den Sinn des Daseins nachzudenken und auch Klarheit zu bekommen, was im Leben wirklich wichtig ist und was Richtung und Bedeutung gibt.

 

Massel

Claudia Herbstmann (22. KW)

letzte Zeugen
von Digne M. Marcovicz
München [u.a.] : Hanser, 2007. – [384] S. : überw. Ill.
ISBN 978-3-446-20859-9

Vom ersten Moment an erstaunt einen dieses Buch. Der Titel lautet: Massel - letzte Zeugen und macht neugierig auf den Inhalt. Beim flüchtigen durchblättern ist man überrascht über die Aufmachung. Die Erzählungen von 12 Juden, die den Naziterror im Dritten Reich überlebten, sind großflächig angereichert mit Fotos, Dokumenten, Zeittafeln und graphischen Elementen.
Und dann passierte es: Man liest die erste Geschichte über Eva Feldenkreiz, geboren 1921 und ist ergriffen. Intensiv und packend erzählt Eva von den Schrecken der Naziherrschaft und den unbeschreiblichen Lebensumständen, denen sie und viele andere ausgesetzt waren. Gefangen nimmt aber auch die Verbindung der Geschichte mit den Fotos von Eva: Wie sie da in ihrer Wohnung sitzt und über Unglaubliches redet oder auch eine Nahaufnahme ihrer Nummer, die ihr in Auschwitz auf den Arm tätowiert wurde. Und so liest man weiter, Geschichte für Geschichte, und ist am Ende des Buches berührt, traurig und sprachlos. Irgendwie schaffen es alle Überlebenden glaubhaft zu schildern, dass sie das Gefühl hatten „Massel“ (Glück) gehabt zu haben. Wirklich beeindruckend. In der Presseerklärung des Verlages steht: „Bald wird es niemanden mehr geben, der erzählen kann, wie es damals gewesen ist…“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das Buch steht auf der Auswahlliste des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises 2008.

 

Nach dem Unglück schwang ich mich auf, breitete meine Flügel aus und flog davon

Daniela Kies (19. KW)

von Joyce Carol Oates:
München : Hanser, 2008 – 267 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-446-20986-2

Bei einem Verkehrsunfall stirbt Jennas Mutter. Die 15-jährige überlebt schwer verletzt und voller Schuldgefühle. Fortan lebt sie bei ihrer Tante, die sich sehr um Jenna bemüht, jedoch kaum einen Zugang zu dem verschlossenen, verzweifelten und traumatisierten Mädchen findet. Sie sehnt sich „ins Blaue“ zurück – den durch starke Schmerzmittel hervorgerufenen und scheinbar sorglosen Dämmerzustand auf der Intensivstation. Durch den Kontakt zur schrillen Trina droht sie ins Drogenmilieu abzugleiten. Doch da gibt es auch noch Crow, den umschwärmten Star der Biker. Kann sie es mit seiner Hilfe schaffen, wieder „Ja“ zum Leben zu sagen?

Joyce Carol Oates gelang in packendes Psychogramm, das durch einen ungewöhnlichen, bildhaften und packenden Sprachstil überzeugt. Oates zählt zu den bedeutendsten Autorinnen der amerikanischen Gegenwartsliteratur und wurde mehrmals für den Pulitzer Preis nominiert. Ihre Jugendbücher handeln zumeist vom Erwachsenwerden und den Schwierigkeiten, eine eigene Identität zu finden und sie gegenüber der Umwelt zu verteidigen.