"Buch der Woche"
Im Wechsel mit den Büchereien in Ahaus und Vreden stellen die Mitarbeiterinnen der Bücherei Stadtlohn immer mittwochs auf der Lokalseite der Münsterland Zeitung ein Buch unter der Rubrik " Buch der Woche" (ehemals "Der Lese-Tipp" oder "Der Buch-Tipp") vor. Hier können Sie unsere Buchempfehlungen nochmals nachlesen.
2013
Im Zweifel südwärts

- Birgit te Vrugt (19. KW)
von Katarina Fischer
München : Heyne, 2013. - 431 S.
ISBN 978-3-453-40983-5
Alle Wünsche erfüllt - und jetzt?
Die 31-jährige Daphne erlebt gerade eine seltsame Situation. Sie ist Gast auf der Hochzeit ihrer eigenen Mutter. Diese wagt mit ihren 59 Jahren nun zum zweiten Mal den Schritt in die Ehe. Ansonsten ist alles so, wie sie es sich immer gewünscht hat. Sie hat einen tollen Job und der Sommerurlaub mit ihren Freundinnen Betty und Lucy steht vor der Tür – also eigentlich einen Grund zu klagen. Geschrieben in der Ich-Perspektive, schildert Daphne dem Leser am Anfang der Geschichte ihre vergangenen Jahre, kurz umrissen, zum gelebten Leben mit und ohne Mann, bis sie Richard trifft und nach einer längeren Kennenlernphase mit ihm zusammenzieht. Aber wenn sie wirklich alles hat, was sie immer wollte, warum fühlt es sich dann nicht so an? Aber nun heißt es erst einmal, ab in den schon so lange geplanten und immer wieder verschobenen Urlaub. Erst war dies, dann kam Bettys Kind, hier passte es mal nicht mit Richard, die Liste war endlos. Drei Wochen Urlaub, nichts planen, einfach fahren, irgendwo hin. Daphne, Betty und Lucy, in einem gelben VW-Bus, auf und davon in Richtung Süden.
Die Autorin fängt das Lebensgefühl vieler um die 30er sehr gut ein, das Sich-nicht-richtig-Entscheiden-Wollen oder das Zweifeln am eigenen Leben und eine gewisse Planlosigkeit. Die verschiedenen Charaktere sind sehr sympathisch und interessant beschrieben. Eine unterhaltsame Lektüre über Urlaub, Liebe, Beziehung und Freundschaft.
Katarina Fischer wurde 1982 in Hamburg geboren. Nach zwei lehrreichen Jahren in London lebt sie seit 2006 wieder in der Hansestadt, arbeitet als Fotoredakteurin, Gelegenheits-DJ und schreibt.
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

- Rita Berger (16. KW)
von Rachel Joyce
Frankfurt am Main : Krüger, 2012. - 378 S. : Kt.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-8105-1079-2
Harold Fry, pensionierter Handelsvertreter, bekommt von seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie, von der er seit 20 Jahren nichts mehr gehört hat, einen Brief, in dem sie schreibt, dass sie Krebs hat und bald sterben wird. Er verfasst eine kurze Antwort und geht los, um den Brief in den Briefkasten zu werfen, geht dann aber daran vorbei und auch am nächsten und dann immer weiter. Nur in einfachen Segelschuhen und ohne Wanderausrüstung läuft er 1000 Kilometer von Südengland bis zur schottischen Grenze, um Queenie im Hospiz zu besuchen. Unterwegs beschäftigen ihn viele Gedanken und schmerzhafte Erinnerungen an Queenie und was sie für ihn getan hat, an seine Kindheit, an seine Frau Maureen, seit Jahren schon leben sie nur noch nebeneiner her und an seinen Sohn und seine Entwicklung. Auch Maureen denkt zu Hause über die vergangenen Jahre und über ihre Beziehung nach, erkennt eigene Fehler und Versäumnisse. Nach 87 Tagen und vielen Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen, die ihm helfen und ihn ermutigen, erreicht Harold schließlich das Hospiz, in dem Queenie liegt. Die Pilgerreise hat ihn und sein Leben und auch Maureens so verändert, dass sie wieder aufeinander zugehen und ihre Gefühle füreinander entdecken.
Eine tief berührende Geschichte über Liebe und Tod, Freundschaft und Vergebung. Das Buch ist so lebendig und fesselnd geschrieben, dass man es kaum aus der Hand legen kann, und so tiefgründig, dass man noch länger darüber nachdenkt.
Jetzt ist gut, Knut

- Daniela Kies (13. KW)
von Bettina Haskamp
Berlin : Schröder, 2012. - 285 S.
ISBN 978-3-547-71181-3
Midlife-Crisis! Redaktionssekretärin Lilli Karg fühlt sich allein, unverstanden, unterschätzt und abgelehnt. Ihre beste Freundin empfiehlt ihr einen Psychiater, ihr Ehemann Knut, Tierpfleger bei Hagenbeck, redet nur noch vom schwangeren Orang-Utan-Weibchen, ihre Tochter Julia lädt den ungeliebten Hund ab, und in ihrem ereignislosen Job hat Lilli auch nur Frust und Ärger. Da bleiben nur noch Hamburger Touristen, denen sie alias Lillian Reich mit blonder Perücke und Markenklamotten wilde Geschichten eines anderen, aufregenderen Lebens erzählt. Als sie im Lotto gewinnt, winken Freiheit und Unabhängigkeit – das große Glück scheint zum Greifen nah. Durch das Geld, einen Hund mit seinem Herrchen und die elegante Marie-Anne ändert sich einiges und damit muss nicht nur Lilli klar kommen.
Bettina Haskamp ist ein heiterer, unterhaltsamer Frauenroman mit einer sympathischen 46-jährigen Hauptfigur als Ich-Erzählerin gelungen. Lilli ist eine Frau, die um Anerkennung und Zuneigung kämpft und sich dabei selbst neu findet.
Auch das Hörbuch, ausdrucksvoll von Anne Weber gelesen, schenkt kurzweilige Stunden voll Witz und tiefsinniger Ironie.
Kreuzweg

- Brigitte Gehling (10. KW)
von Diane Broeckhoven
München : Beck, 2012. - 124 S.
Aus dem Niederländ. übers.
ISBN 978-3-406-63941-8
Diane Broeckhoven erzählt mit sparsamen Worten einfühlsam den Weg einer jungen Frau, die versucht, ihr Leben von den Geistern zu befreien, die andere diesem aufgeladen haben. Immer schwebt ein Geheimnis über dem Buch, welches zwar durchschaut werden kann, nie aber erzählt wird. So weiß der Leser zwar bald, was passiert ist, er sieht aber nur die Folgen davon und trägt sie lesend mit. Die Kindheit und Jugend ist geprägt vom frühen Tod der Mutter und einem Vater, der hinter seiner bürgerlichen Fassade zu Grausamem fähig ist. Erst in der Kunst findet die "Ich"-Erzählerin Abstand und die Chance, Erlebtes zu verarbeiten. Es bleibt zwischen den Zeilen immer wieder Raum, sich mit den Figuren und ihren Handlungsweisen auseinanderzusetzen.
Diane Broeckhoven wurde in Schweinfurt geboren, studierte Germanistik, Pädagogik und Niederländische Philologie. Sie lebt und arbeitet in Antwerpen.
Der Zwerg reinigt den Kittel

- Sabine Elbers (7. KW)
von Anita Augustin
Berlin : Ullstein, 2012. - 332 S.
ISBN 978-3-550-08005-0
Schon der ins Auge stechende Einband sowie der skurrile Titel wecken Neugierde beim Leser auf den Inhalt des Buches.
Sitzen vier Omas im Knast. Klingt wie ein Witz, aber Humor haben die Damen gerade keinen, dafür ein Problem: schwere Körperverletzung, wahrscheinlich mit Todesfolge. Ursprünglich war das anders gedacht: Ferien für immer im Altenheim. Die Idee war gut, die Wirklichkeit nicht so. Club Tropicana hat zwar keine erwartet, aber diese Endlagerstätte für senile Altlasten auch nicht: talentfreie Zivis, verrückte Mitinsassen, sadistische Oberschwestern - irgendwann reicht's. Die vier Alten schlagen zurück, und das klingt schon wieder wie ein Witz, ist aber keiner. Ein böser Spaß für alle, denen Einer flog übers Kuckucksnest eine Spur zu sozialromantisch war.
In dieser wahnwitzig mitreißenden Geschichte verpackt, greift Anita Augustin in ihrem Romandebüt aktuelle sozialkritische Themen auf und verbirgt Denkanstöße über den Umgang mit Altenheimen und der Lösung des demografischen Problems der Überalterung.
Eine zum Nachdenken anregende Satire, bei der einem das Lachen bisweilen im Halse stecken bleibt mit noch mal mehr überraschendem Ende.
Anita Augustin, geboren 1970 in Klagenfurt, hat in Wien Philosophie und Theaterwissenschaft studiert und an der Ersten Österreichischen Barkeeperschule ihr Diplom gemacht. Nach Stationen in New York und London lebt sie heute als freie Dramaturgin in Berlin.
Wolfsfährte

- Birgit te Vrugt (4. KW)
von Craig Russell
München : Ehrenwirth, 2006. - 397 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 3-431-03697-X
Eine mysteriöse Mordserie beunruhigt die Bevölkerung Hamburgs. Die Leiche eines etwa 16 Jahre alten Mädchens wird gefunden. Nur wenige Tage später geschieht ein Doppelmord. Eines scheint die Opfer miteinander zu verbinden: Der Täter hinterlässt rätselhafte Verse, die sich an den Märchen der Gebrüder Grimm orientieren, neben den Leichen. Darin gibt er Hinweise auf das nächste Opfer. Hinter das Motiv des Täters zu gelangen ist die Aufgabe von Hauptkommissar Jan Fabel und seinem Team. Im Laufe der Ermittlungen sorgt ein Buch für Furore, in dem behauptet wird, einer der Gebrüder Grimm sei ein Serienmörder gewesen, der nach Motiven ihrer gesammelten Märchen Gewaltverbrechen begangen hat. Konfrontiert mit realen Verbrechen, zugleich aber auch überzeugt von der Kraft der Mythen, müssen die Ermittler nach allen Regeln der Kriminalistik vorgehen, um dem raffinierten Täter das Handwerk zu legen. Die Lösung dieses blutigen Falls übertrifft jedoch Fabels schlimmste Vermutungen.
Wolfsfährte ist ein flüssig geschriebener und gut recherchierter Thriller. Das Buch hat keine langweiligen Passagen und der Spannungsbogen hält bis zum Schluss an.
Craig Russel, geboren 1956, war zunächst in der Werbebranche tätig. Danach arbeitete er mehrere Jahre im Polizeidienst und als selbstständiger Marketing-Berater. Für seinen Thriller um den deutschen Kommissar Jan Fabel, der inzwischen in mehr als 20 Ländern erschien, wurde Russel im Februar 2007 mit dem Polizeistern ausgezeichnet.
Die Schachspielerin

- Rita Berger (1. KW)
von Bertina Henrichs
Hamburg : Hoffmann und Campe, 2006. - 142 S.
Aus dem Franz. übers.
ISBN 978-3-455-03165-2
Eleni ist 42 Jahre alt, glücklich verheiratet, hat zwei liebenswerte Kinder und ist mit ihrem Leben und mit ihrer Arbeit als Zimmermädchen in einem Hotel auf Naxos recht zufrieden. Eines Morgens stößt sie bei der Zimmerreinigung versehentlich eine Schachfigur um. Durch dieses kleine Missgeschick wird bei ihr das Interesse am Schachspiel geweckt und von da an lässt sie der Gedanke an dieses alte, geheimnisvolle Spiel nicht mehr los. Ihr Mann Panos, dem sie ein Spiel schenkt, kann damit nichts anfangen. Und dann beginnt sie selbst, das Schachspiel zu lernen - heimlich. Ihr früherer Lehrer Kouros hilft ihr dabei. Ein Abenteuer mit unvorhersehbaren Folgen beginnt für sie. Was Eleni nicht geahnt hat, dass sie mit ihrer neuen Leidenschaft bald ihre Ehe und ihren guten Ruf auf der Insel riskiert.
Bertina Henrichs erzählt eindrucksvoll und lebendig die Geschichte einer einfachen Frau, die den Mut hat, gegen alle Widerstände, ihr Leben zu verändern und dabei unbeirrt ihr zunächst aussichtslos erscheinendes Ziel verfolgt und dabei an Selbstbewusstsein gewinnt. Der Reiz des Schachspiels und die Begeisterung dafür erfassen auch den Leser, und man verfolgt mit Spannung Elenis Fortschritte.
Die Autorin, geb. 1966 in Frankfurt, studierte Literatur- und Filmwissenschaft und lebt seit vielen Jahren in Paris. Ihr erster Roman "Die Schachspielerin" wurde mit dem Corine-Buchpreis für das beste Debut ausgezeichnet und wurde auch verfilmt.
2012
Am Anfang war der Mord

- Daniela Kies (50. KW)
elf Autoren - ein Krimi
Martin Buchholz, Albrecht Gralle, Stefan Jürgens, Lena Klassen, Eckart zur Nieden, Gerrit Pithan, Conny Ruß, Manfred Siebald, Fabian Vogt, Bodo Mario Woltiri, Christoph Zehendner / Fabian Vogt (Hrsg.). - Gießen : Brunnen, 2012. - 142 S.
ISBN 978-3-7655-1244-5
In einem Gasthaus wird der bekannte Theologe Dr. Ullrich tot in seinem Zimmer aufgefunden. Die Polizei geht von einem Unfall aus, aber der junge Privatdetektiv Klemenz Kistner, der aufgrund eines Observierungsfalls zufällig Vorort ist, glaubt nicht daran. Zusammen mit der örtlichen Pfarrerin Angela Korowitz nimmt er die Ermittlungen auf, als ein zweiter Mord passiert. Bald wird klar, dass diese beiden Fälle irgendwie zusammenhängen und alle Spuren führen schließlich zu einer Bibelschule.
Welche unfassbaren Vorkommnisse, die vor zehn Jahren an der Bibelschule geschahen, sollen gerächt und/oder vertuscht werden?
Elf Autorinnen und Autoren, unter ihnen der Stadtlohner Pfarrer Stefan Jürgens, verfolgen nacheinander die Spuren in diesem ungewöhnlichen „christlichen“ Krimi. Jeder hat ein Kapitel beigesteuert, dabei Spuren übernommen, neue Fährten gelegt, Verdachtsmomente erhärtet oder aufgelöst und kreativ weitergesponnen, ohne zu wissen, wie die Geschichte ausgehen wird. Erst der Letzte hat entschieden, wie sich das Ganze zusammenfügt. Trotzdem ist ein stimmiger, flüssig zu lesender und spannender Krimi entstanden, der unter anderem davon handelt, dass Menschen aus scheinbar geistlichen Beweggründen unfassbar Böses tun können. Das Buch macht Lust, sich mit den hellen und dunklen Seiten des Lebens und der Menschen zu beschäftigen.
Das Erbe der Braumeisterin

- Brigitte Gehling (47. KW)
von Charlotte Thomas
historischer Roman
Köln : Lübbe Ehrenwirth, 2012. - 508 S.
ISBN 978-3-431-03650-3
1260: In Köln führen Madlen und ihr Mann eine eigene Bierbrauerei und eine Schenke. Nachdem Madlens Mann ermordet wird, bekommt sie von der Zunft die Auflage, binnen eines Jahres wieder zu heiraten oder die Brauerei zu verkaufen. Als sich die Frist dem Ende neigt, geben sich die Bewerber bei Madlen die Klinke in die Hand. Keiner kommt aber an ihr Herz heran. Kurz vor Ablauf der Frist kauft sie den zum Tode verurteilten Kreuzritter Johann frei und heiratet ihn. Glücklicherweise hat dieser Braukenntnisse und die Zunft muss ihn anerkennen. Doch Johann sucht in Köln seine Schwester Blithildis. Diese lebt als Begine Juliana im Stift und kümmert sich um Kranke. Durch die gemeinsame Pflege von Madlens Großvater werden Blithildis und Madlen Freundinnen. In der Vergangenheit ist Blithildis etwas Schreckliches passiert ist.
Charlotte Thomas war Richterin und Rechtsanwältin, bevor sie sich ganz
ihrer Leidenschaft, dem Schreiben, widmete.
Der Duft der Pfirsichblüte

- Sabine Elbers (44. KW)
eine Australien-Saga
von Dagmar Trodler
Berlin : Rütten & Loening, 2012. - 461 S.
ISBN 978-3-352-00824-5
Verbannt ans Ende der Welt London 1812. Mary MacFadden verdient sich ihr Geld als »Engelmacherin« mit illegalen Abtreibungen. Als eine Adlige dabei stirbt, wird sie nach Australien verbannt. Sie erreicht, dass ihre geliebte Tochter Penelope mit aufs Schiff darf. Doch die Überfahrt wird zum Höllentrip. Penelope wird vergewaltigt und gebiert an Bord eine Tochter. In Sydney werden Frauen und Kind jäh voneinander getrennt. Mit Glück findet Penelope eine Anstellung in gutem Hause und führt fortan ein besseres Leben. Doch der Verlust von Mutter und Tochter quält sie, und sie will die beiden um jeden Preis finden. Als ein junger Arzt seine Hilfe bei der Suche anbietet und ihr seine Zuneigung offenbart, weiß sie nicht mehr, was sie fühlt – Dankbarkeit oder Liebe.
Die in vielseitigen Genres schreibende Autorin Dagmar Trodler hat sich in ihrem vorliegenden Roman von „Vorsicht und Respekt“ leiten lassen, wie es in ihrem Nachwort lautet, da die Sträflingsgeschichte in Australien noch längst nicht vollständig aufgearbeitet ist. Dank ihrer bildgewaltigen Sprache gelingt es ihr mühelos den Leser in jene Zeitepoche zurückzuversetzen. Eine großartige Australien-Saga über das Schicksal zweier starker Frauen.
Dagmar Trodler, 1965 in Düren/Rheinland geboren, arbeitete zunächst als Krankenschwester und studierte Geschichte und Skandinavistik. Sie lebt heute meistens auf Island. Gleich ihr erster Roman »Die Waldgräfin« wurde ein Bestseller.
Ein besonderer Tipp: Den Buchtitel gibt es ebenfalls als eBook zum Herunterladen unter www.bibload.de
Die Frau des Zeitreisenden

- Birgit te Vrugt (41. KW)
von Audrey Niffenegger
Frankfurt am Main : Fischer, 2004. - 543 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 3-10-052403-9
Seit seinen Kindheitstagen geht Henry DeTamble auf Zeitreise durch sein eigenes Leben. Ein seltener genetischer Defekt zwingt ihn dazu, spontane und unvorhersehbare Sprünge, mal in die Vergangenheit, mal in die Zukunft, zu machen. Clare, ein kleines Mädchen, fällt aus allen Wolken, als Henry ihr erstmals begegnet - als erwachsener Mann. Henry weiß sofort, dass er ihr Schicksal sein wird. Auch wenn der Alltag durch Henrys Trips erschwert wird, verlieben sie sich und heiraten. Seine Zeitreisen sind sogar das Geheimnis, das die Liebenden mit jeder Trennung noch inniger vereint. Wolken ziehen erst auf, als Clare sich ein Kind wünscht, denn Henry zweifelt: Würde er seinen Gendefekt vererben? Und dann ist da noch die Besorgnis, dass keiner der Henrys, die Clare begegnen, jemals älter als 43 Jahre ist.
Die Autorin hat es geschafft, durch Wortwitz und zwei tolle Hauptcharaktere dieses Buch von der Masse der Liebesromane abzuheben. Am Anfang ist es schwer durch zu blicken, in welcher Zeit sich die Personen befinden oder wie alt sie sind, vor allem, wenn mehrere Henrys auftauchen. Aber am Ende fügen sich die Zeitsprünge zusammen und machen immer mehr Sinn. Also, ein tolles Buch über die Liebe und die Sehnsucht.
Ein Tipp: Den Buchtitel gibt es auch als Hörbuch und DVD
Das letzte Geleit

- Rita Berger (38. KW)
von Christiane Fux
München: Piper, 2012. 301 S.
ISBN 978-3-492-27396-1
Der 36-jährige Theo Matthies ist eigentlich Arzt, arbeitet jetzt aber als Bestatter in Hamburg. Als die Leiche der 84-jährigen Anna Florin, die erfroren am Leuchtturm in Hamburg-Wilhelmsburg aufgefunden wurde, auf seinem Tisch liegt, bemerkt er hinter dem Ohr der Toten einen Einstich. Er vermutet, dass sie ermordet wurde. Nachdem die Polizei die Ermittlungen eingestellt hat, forscht Theo auf eigene Faust weiter nach. Er wird dabei unterstützt von Fatih, einem jugendlichen Freund Annas, der türkischen Kommissarin Hadice und der Journalistin Hanna. Zu ihr hatte Anna kurz vor ihrem Tod Kontakt aufgenommen, weil sie einem Mann begegnet war, der angeblich seit vielen Jahren tot ist. Eingeschobene Rückblenden führen in Annas Vergangenheit - in das Jahr 1943. Anna hatte in der NS-Zeit als Kinderkrankenschwester im Stift Eichenhof in Hamburg gearbeitet, wo schreckliche Dinge passierten. Die beiden Handlungsstränge werden schrittweise miteinander verbunden und am Ende der Täter und sein Motiv ermittelt.
Der erste Krimi von Christiane Fux ist besonders packend durch den historischen Hintergrund der Tat. Mit Spannung verfolgt man aber auch die Nachforschungen dieses außergewöhnlichen und sympathischen Ermittlers und seiner so unterschiedlichen, lebendig beschriebenen Helfer. Sehr interessant sind auch die Einblicke in die Arbeit des Bestatters. Fesselnd und flüssig geschrieben, mit einer Portion Humor, viel Lokalkolorit, aber auch mit Tiefgang.
Christiane Fux, *1966, arbeitet als freie Journalistin und Redakteurin u.a. für das Gesundheitsportal NetDoktor.de, für Focus Online und artechoc.de. Ihre Spezialgebiete sind Psychologie, Medizin und Krimi.
Urlaub mit Esel

- Daniela Kies (35. KW)
von Michael Gantenberg
Frankfurt am Main : Scherz , 2011. - 333 S.
ISBN 978-3-502-11074-3
Björn Keppler, Ende 30, Lehrer für Englisch und Geschichte, versteht die Welt nicht mehr. Warum hat seine Frau Karin den alljährlichen gemeinsamen Urlaub in der Toskana storniert und für ihn allein zum „Esel-Wandern“ in der Uckermark nahe der polnischen Grenze gebucht? Äußerst widerwillig und uneinsichtig lässt Björn sich darauf ein und wandert ausgestattet mit Funktionshose und begleitet von Esel Friedhelm los. Anfangs von allem und jedem genervt und frustriert, ändert sich seine Stimmung während der Wanderung langsam. Er lernt Landschaft und Menschen, wie die anhängliche Sabine mit der schrillen Stimme oder den Mörder Markus, dem man lieber nicht widerspricht, kennen und auch schätzen. Die Gespräche und Erlebnisse mit den unterschiedlichsten Leuten bringen ihn zum Nach- und Umdenken, sodass die Wanderung mit Esel für ihn eine Reise zu sich selbst wird.
Der Autor berichtet mit Sprachwitz, viel Situationskomik und ein Gespür für zwischenmenschliche Töne über skurrile Personen und eingefahrene Beziehungen und Lebensentwürfe. Die humorvoll satirische Geschichte liest sich als leichte Urlaubslektüre, der aber dennoch nicht der Tiefgang fehlt.
Das gleichzeitig erschienene Hörbuch wird von Bastian Pastewka gelesen, der dafür die Idealbesetzung ist. Man sieht ihn regelrecht durch die Uckermark, die Toskana des Osten, wandern und möchte ihn fast direkt begleiten!
Immer für dich da

- Brigitte Gehling (32. KW)
von Kristin Hannah
Berlin : Ullstein , 2010. - 485 S. - (Ullstein ; 28106)
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-548-28106-3
1974 lernen sich die 14-jährigen Mädchen Tully Hart und Kate Mularkey kennen. Die coole, wunderschöne Tully ist erst kürzlich mit ihrer drogensüchtigen Mutter in die Nähe von Seattle gezogen. Ihre Nachbarin Kate hingegen durfte in einer liebevollen Familie aufgewachsen. Die beiden ungleichen Teenager freunden sich schnell an. Tullys Mutter wird verhaftet und ihre Großmutter, zu der sie ziehen muss, stirbt bald. Tully wird von Kates Familie aufgenommen. Gemeinsam besuchen Kate und Tully das College in Seattle, um Reporterinnen zu werden. Während Kate bald einsehen muss, dass ihr der Journalismus nicht so liegt, klettert Tully die Karriereleiter hoch. Ihre Lebenswege trennen sich. Wird die Freundschaft von Kate und Tully die Jahre überdauern?
Die amerikanische Schriftstellerin Kristin Hannah besuchte eine juristische Fakultät und war als Rechtsanwältin tätig. Sie begann zu schreiben, während sie mit ihrem ersten Sohn schwanger war.
Magnolienschlaf

- Sabine Elbers (29. KW)
von Eva Baronsky
Berlin : Aufbau , 2011. - 184 S.
ISBN 978-3-351-03338-5
Ein kleines altes Haus am Rande der Großstadt und zwei Frauen, wie sie verschiedener nicht sein könnten: Wilhelmine und Jelisaweta trennt so viel mehr als 68 Lebensjahre. Jelisaweta ist 23 und für ein paar Wochen aus Smolensk nach Deutschland gekommen, um Wilhelmine zu pflegen, die seit einem Unfall an ihr Bett gefesselt ist. Doch was als scheinbar ideales Arrangement beginnt, gerät bald außer Kontrolle und wird zu einem Kleinkrieg, in dessen Verlauf die beiden Frauen sich auf grausam-weibliche Weise attackieren. Am Ende wird jede auf die Frage zurückgeworfen, was man mit sich anfängt, nachdem man der Wahrheit ins Auge gesehen hat. Denn Schuld wartet nicht auf Kläger, Sühne braucht keinen Richter, und der Krieg ist nicht vorbei, nicht für die Greisin und nicht für das Mädchen. Der Krieg hat gerade erst angefangen…
"Magnolienschlaf" liest sich ausgesprochen gut und zeigt neben der Macht, welche die Vergangenheit bis in die Gegenwart besitzt, auch aktuelle gesellschaftspolitische Probleme auf: Ist es moralisch vertretbar, die Pflege von alten Verwandten rund um die Uhr jungen Ausländerinnen aufzubürden? Der Roman mit dem ausgefallenen Titel, der sich dem Leser erst am Ende des Buches erklärt, wird manchen Leser sicherlich noch nachhaltig beschäftigen.
Eva Baronsky, 1968 geboren, lebt im Taunus. Für ihren ersten Roman »Herr Mozart wacht auf« (2010) erhielt sie den Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe.
Ein besonderer Tipp: Den Buchtitel gibt es ebenfalls als eBook zum Herunterladen unter www.bibload.de
Solang die Welt noch schläft

- Elisabeth Demes (26. KW)
von Petra Durst-Benning
Berlin : List, 2012. - 495 S. : Ill.
ISBN 978-3-471-35057-7
Berlin 1890: hier leben die Freundinnen Josefine, die Tochter eines Berliner Hufschmieds, Isabelle, die Tochter eines Fabrikbesitzers sowie die Apothekertochter Clara. Im ersten Teil der Trilogie "Jahrhundertwind" wird Josefines Leben erzählt. Ihr Bruder stirbt bei einem schrecklichen Unglücksfall und Josefine gibt sich dafür die Schuld. Ihre Eltern sehen das genauso und kümmern sich kaum noch um ihre Tochter. Als Josefine erkrankt schickt ihre Nachbarin Frieda sie zur Kur in den Schwarzwald. Sie trifft dort Lilo, ein Mädchen, dass eine Leidenschaft fürs Radfahren hat. Auch Josefine entdeckt das „Velozipedfahren“ und ist begeistert. Sie spürt, wie viel Freiheit ihr das Fahrrad geben kann und setzt alles daran, auch ein Fahrrad zu bekommen. Das ist leichter gesagt als getan. Denn am Ende des 19. Jahrhunderts gelten Fahrrad fahrende Frauen als unschicklich und skandalös, werden beschimpft, angespuckt und mit Exkrementen beworfen. Aber Josefine hält unverdrossen an ihrem Traum fest. Nach einem Fahrradunfall mit einem geborgtem Gefährt von Isabelles Vater landet sie im Frauengefängnis. Dort ergeht es ihr schlecht. Jedoch gelingt es ihr, ihr handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Nach ihrer Haftentlassung eröffnet Josefine mutig eine kleine Reparaturwerkstatt, natürlich auch für Fahrräder. Mit der Zeit entfernt sich ihr Leben von dem ihrer Freundinnen Isabelle und Clara; gleichzeitig findet sie neue Freundinnen und verliebt sich.
Die Heldinnen der Trilogie „Jahrhundertwind“ sind Frauen, die mit ihren Ideen Wegbereiter für die heutige Zeit waren und sich in Männerdomänen behaupteten. Thematisiert werden ihre Schwierigkeiten, als Frau des 19. Jahrhunderts Dinge zu tun, die für uns selbstverständlich sind. Es ist erstaunlich, wie sich die Ansichten der Menschen in den letzten 120 Jahren gewandelt haben. Die im Buchdeckel abgedruckten Zitate aus der Zeit um die Jahrhundertwende lassen nicht nur schmunzeln, sondern teilweise auch den Kopf schütteln. Graphische Darstellungen und Bilder im Buch sowie interessante Anmerkungen der Autorin zur geschichtlichen Entwicklung des Fahrrads runden den Roman ab.
Gegen die Angst

- Rita Berger (23. KW)
von Regine Stokke
Hamburg : Oetinger , 2012. - 365 S.
Aus dem Norweg. übers.
ISBN 978-3-7891-4745-6
Die Norwegerin Regine Stokke ist 17 Jahre alt, als sie erfährt, dass sie an einer seltenen, aggressiven Form von Leukämie erkrankt ist. Sie richtet einen Blog im Internet ein und berichtet von da an regelmäßig über ihren Kampf gegen die Krankheit. Unzählige Menschen lesen ihre Beiträge und Tagebucheintragungen. So erfahren sie von Regines Untersuchungen und Behandlungen, von ihren Ängsten, aber auch von ihrer Hoffnung, ihren Träumen und ihrem Lebenswillen und nehmen großen Anteil an ihrem Schicksal. Sie kommentieren ihren Blog, stellen Fragen, ermutigen sie und fühlen mit ihr. Auch die Medien berichten über sie. Eine Knochenmarkstransplantation scheint zunächst erfolgreich zu sein. Jedoch macht ein schwerer Rückfall alle Hoffnung zunichte. Doch sie gibt nicht auf, kämpft weiter. Unternehmungen mit ihren Freunden und ihrer Familie und Einladungen von Rockbands zu Konzerten helfen ihr, machen wieder Mut und lassen sie immer wieder auf Besserung hoffen. Doch nach 15 Monaten verliert Regine ihren Kampf ums Überleben und stirbt im Kreise ihrer Familie.
Regines Wunsch, dass dieser Blog nach ihrem Tod als Buch erscheint, wurde von ihrer Mutter erfüllt. Hinzugefügt wurden noch selbst geschriebene Gedichte, sowie Bilder und Fotos, die eine talentierte Fotografin erkennen lassen. Es ist ein zutiefst beeindruckendes und bewegendes Buch, in dem diese starke, junge Frau sehr offen, realistisch und ausdrucksstark ihre Gedanken und Gefühle schildert.
Schmitz' Mama

- Daniela Kies (20. KW)
andere haben Probleme, ich hab' Familie
von Ralf Schmitz
Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verl. , 2011. - 332 S.
ISBN 978-3-596-19110-9
Der mehrfach ausgezeichnete Comedian Ralf Schmitz präseniert in seinem zweiten Buch Geschichten, Erlebnisse und Anekdoten von seiner Familie, vor allem seiner Mama. Die kurzweiligen Erzählungen handeln zunächst vom kleinen Ralf. Die mitveröffentlichten Fotos zeigen, dass Mama Schmitz ihren Sohn auf jedem Foto angekreuzt hat, selbst wenn nur eine Person auf dem Foto zu sehen ist. Später berichtet der große Ralf wie er die Eigenarten seiner Mutter erlebt. Da geht es etwa um Mamas Umgang mit dem Mobiltelefon oder "wie man ein Telefonat mit Mama beendet". Besonders interessant ist das Kapitel, in dem Mama einen Einkaufszettel von ihrem Sohn interpretiert.
Schmitz' Geschichten sind liebevoll überdreht und zeigen ein sonderbar chaotisch rührendes Familienleben. Einzelne Erfahrungen dürften jedem bekannt vorkommen. Dazu gibt es kleine Psychotricks für das "Mama-Handling", eine Aufzählung verschiedener Muttertypen, Mamas raffinierteste Rezepte u.v.m.
Erwähnt werden soll auch das Hörbuch! Ralf Schmitz liest natürlich seine Texte selbst und das hört sich an, als ob er sie frei erzählen würde - sehr lebendig, akzentuiert und ein bisschen hibbelig. Sowohl Buch als auch Hörbuch sorgen für Kurzweile, machen einfach Spaß.
Entrissen

- Brigitte Gehling (17. KW)
der Tag, als die DDR mir meine Mutter nahm
von Katrin Behr & Peter Hartl
München : Droemer, 2011. - 300 S.
ISBN 978-3-426-27566-5
Die Autorin Katrin Behr erzählt mit der Hilfe des Fernsehjournalisten Peter Hartl ihre Lebensgeschichte - eine Kindheit in der DDR.
Gera 1972. Katrin Behr ist vier Jahre alt als sie und ihr Bruder von ihrer Mutter getrennt werden. Ihre Mutter wird wegen nicht regimekonformen Verhalten in Haft genommen. Das "Vergehen" von Kartrins Mutter war das Äußern von Fluchtwünschen in der Öffentlichkeit. Dafür verliert sie ihre Kinder und kommt ins Gefängnis. Katrins versteht das alles nicht. Sie hofft, dass ihre Mutter bald wieder zu ihr kommt. Die beiden Kinder werden in ein Heim gebracht, bald voneinander getrennt und später dann von anderen Eltern zwangsadoptiert. Erst als Erwachsene, nach dem Zusammenbruch der DDR, findet sie endlich eine Spur zu ihrer echten Familie.
Das Buch widmet sich einem der dunkelsten Kapitel der SED-Diktatur, welches die
Betroffenen auch zwei Jahrzehnte nach dem Mauerfall noch umtreibt und sie nicht zur Ruhe kommen lässt: Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR.
Heute arbeitet Katrin Behr für einen Verein, der zu DDR-Zeiten zwangsadoptierte Kinder wieder mit ihren Angehörigen zusammenbringt.
Herbstvergessene

- Sabine Elbers (14. KW)
von Anja Jonuleit
München : Dt. Taschenbuch-Verl. , 2010. - 428 S. - (dtv-premium ; 24788)
ISBN 978-3-423-24788-7
Für eine Versöhnung ist es zu spät: Zehn Jahre lang hat Maja Sternberg keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter Lilli gehabt – jetzt ist Lilli tot. Die Polizei in Wien spricht von Selbstmord. Doch daran mag Maja nicht glauben. In der Wohnung ihrer Mutter findet sie deren Geburtsurkunde: Der Name des Vaters fehlt. Als Geburtsort ist Hohehorst eingetragen. Ein Foto zeigt Großmutter Charlotte mit einem Baby, doch dieses dunkle Baby hat keinerlei Ähnlichkeit mit der hellblonden, blauäugigen Lilli. Von Schuldgefühlen und Neugier getrieben, begibt Maja sich auf die Spurensuche und stößt auf ein dunkles Familiengeheimnis, das alle Gewissheiten in ihrem Leben mit einem Schlag zunichte macht.
Der Roman ist aus zwei Perspektiven erzählt, die auch durch ihr Schriftbild voneinander abgesetzt sind. Die eine Sicht liefert das Manuskript der Großmutter mit deren Lebensgeschichte. Die zweite Perspektive, die sich im Wechsel mit der ersten durch den Roman zieht, ist Majas Beschreibung ihrer Spurensuche. Anja Jonuleit versteht es, langsam Spannung aufzubauen und Tiefe in die Geschichte zu bringen, die zunächst nur ein klassischer Mutter-Tochter-Konflikt zu sein scheint. Die historischen Fakten um die "Lebensborn"-Heime führen weg von der Oberfläche, auf der sich eine Liebesgeschichte, die in einem spannenden Krimiplot endet, abspielt.
Anja Jonuleit wurde 1965 in Bonn geboren, besuchte das Sprachen- und Dolmetscherinstitut in München. Seit ihrem Abschluss 1992 ist sie Übersetzerin und Dolmetscherin für Italienisch und Englisch. Sie lebte und arbeitete in New York, Bonn, Rom, Damaskus und München. 1994 kehrte sie mit ihrer Familie an den Bodensee zurück. Sie ist Mutter von vier Kindern. Ihr erster Krimi erschien 2007.
Ein besonderer Tipp: Den Buchtitel gibt es ebenfalls als eBook zum Herunterladen unter www.bibload.de!
Rico, Oskar und der Diebstahlstein

- Elisabeth Demes (11. KW)
von Andreas Steinhöfel
mit Bildern von Peter Schössow. - Hamburg : Carlsen, 2011. - 327 S. : Ill.
ISBN 978-3-551-55572-4
Mit „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ endet die „Rico“-Trilogie. Rico, der Junge mit großem Herzen erzählt von sich, seinem Freund Oskar, seinem Hund Porsche und dem Leben in seiner Straße. Dann finden Rico und Oskar einen Toten im Treppenhaus und ein neues Abenteuer beginnt. Es führt die Freunde bis an die Ostsee. Vor allem der Diebstahl von Gustav Wilhelm Fitzkes „Kalbstein“ muss aufgeklärt und nebenbei ein Liebespaar vereint werden. Dabei purzeln Ricos Gedanken des öfteren mal durcheinander – so wie Bingokugeln. Zwischendurch erklärt Rico auf unkonventionelle Art extrem schwierige Wörter wie spartanisch und "Para-Neujahr" (oder meinte er Paranoia?). Andreas Steinhöfel, Kinder- und Jugendbuchautor, findet dafür Bilder, die Kinder verstehen und Erwachsene fesseln. Denen dürfte zuweilen der Atem stocken, wenn Rico schwierige Kinder, enttäuschte Erwachsene und einsame Herzen analysiert. Es ist ein spannendes, urkomisches und
bewegendes Buch mit einem großartigen Ende.
Ein Regenbogen zu den Sternen

- Rita Berger (8. KW)
von Ute Nerge
München: Diana-Verlag, 2011 - 318 S.
ISBN 978-3-453-29116-4
In dieser sehr bewegenden Lebensgeschichte erzählt Ute Nerge, wie sie als 17-jährige Kinderkrankenschwesternschülerin erstmals mit dem Tod von Kindern konfrontiert wurde. Diese Erfahrungen waren prägend für ihr weiteres Leben. Während ihrer Arbeit auf verschiedenen Kinderstationen und in OPs reifte in ihr der Wunsch, ein Kinderhospiz zu errichten. 1999 gründete sie in Hamburg, zusammen mit Peer Gent, dem heutigen Geschäftsführer, die "Sternenbrücke". Mit großem Engagement bemühte sie sich um Unterstützung ihres Unternehmens, gründete einen Förderverein und sammelte Spendengelder. Bei der Planung des Hauses und seiner Ausstattung hatte sie immer die schwerstkranken Kinder im Blick und suchte nach besten Lösungen, um ihre Leiden erträglicher zu machen und ihnen so in der letzten Lebensphase ein Leben in Würde und mit Lebensqualität zu ermöglichen. 2003 wurde das liebevoll gestaltete und eingerichtete Haus eröffnet, in dem auch die Eltern und Geschwister Entlastung, Hilfe und Unterstützung finden. Die Einrichtung wurde 2010 noch um ein Jugendhospiz erweitert, eine Akademie mit Weiterbildungsprogramm und ein ambulanter Kinder-Hospiz-Pflegedienst folgten. 390 Familien werden zurzeit von der Sternenbrücke betreut.
Ein sehr authentisches, persönliches Buch, das zutiefst beeindruckt. Für die Schaffung eines Hauses, in dem unheilbar kranke Kinder und Jugendliche liebevoll und mit viel Zuwendung gepflegt und bis ans Ende ihres schweren Weges begleitet werden, gebührt Ute Nerge höchste Achtung und Anerkennung. Sie wurde schon mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.
Ich wünschte, ich könnte dich hassen

- Daniela Kies (5. KW)
von Lucy Christopher
Dt. Erstausg. - Hamburg : Chicken House, 2011. - 366 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-551-52008-1
Die 16jährige Gemma wird von Ty, einem jungen attraktiven Mann, am Flughafen betäubt und ins australische Outback verschleppt. Schon der erste Fluchtversuch zeigt Gemma, wie sinnlos der Gedanke an ein Entkommen ist: rings um das kleine Holzhäuschen, in dem Ty sich mit ihr versteckt, gibt es kilometerweit nur Staub, Geröll und vertrocknete Pflanzen, eine unendlich erscheinende Wüstenebene. Obwohl Ty ihr immer wieder versichert, dass er ihr nichts tun wird, bleibt sie misstrauisch. Denn wieso hält er sie dann in der Wüste fest? Aber in der Einsamkeit des Outbacks bleibt Gemma nichts anderes übrig, als sich mit ihrem Entführer zu arrangieren. So nach und nach schleichen sich andere Gefühle außer Angst und Abneigung für Ty in ihr Bewusstsein. Dabei müsste sie ihn doch eigentlich hassen...
In der Psychologie wird das Phänomen, bei dem Geiselopfer ein positives emotionales Verhältnis zu ihrem Entführer aufbauen, Stockholm-Syndrom genannt. Auch der Leser des Briefromans „erkrankt" daran. Genau wie Gemma wird der Leser hinsichtlich seiner Gefühle für Ty hin- und hergerissen. Einerseits ist es absolut falsch, dass er sie gegen ihren Willen festhält, andererseits entwickelt man als Leser Sympathie für diesen jungen Mann und ist (fast) enttäuscht, dass es für die beiden kein Happy End gibt.
Der Tag, an dem Marilyn starb

- Brigitte Gehling (2. KW)
von Donna Milner
München [u.a.] : Piper, 2010. - 391 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-492-05373-0
Ist es Zufall, dass Lucy Coulter am selben Tag stirbt wie Marilyn Monroe? Am 5. August 1962 erfahren die Kinder Ethie, Kipper (der das Down-Syndrom hat) und Frankie, dass ihre Mutter auf einem Boot tot aufgefunden wird. Die Mutter war der Mittelpunkt der Familie. Donna Milner erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Zum einen beschreibt sie aus der Sicht der elfjährige Ethie, wie diese selbst und auch der Rest ihrer Familie den Tod der Mutter verarbeiten.
Vater Howard Coulter ist äußerlich unversehrt aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt, oft aber der Welt entrückt. Er hat im Krieg seinen besten Freund verloren, eine Menge Gewalt erlebt und ein Versprechen gegeben, das später tragische Ereignisse in Gang setzen wird. Seine Kriegserlebnisse werden als paralleler Handlungsstrang erzählt. Während der Leser durch Ethies kindliche Augen verfolgt, wie die Geschwister sich verzweifelt dagegen wehren, dass ihr Vater sich vollends vor ihnen verschließt, wird immer klarer, dass er seit dem Krieg ein Geheimnis mit sich herumträgt und dass der Tod der Mutter damit zu tun hat.
2011
Dinosaurier

- Sabine Elbers (51. KW)
von David Lambert
München : Dorllng Kindersley, 2011. - 72 S. (Memo - Wissen entdecken ; 1)
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-8310-1877-2
Wann gab es das schon mal? Ein Verlag wirft 50 Titel derselben Reihe zeitgleich auf den Markt! So geschehen mit "Memo - Wissen entdecken" von Dorling Kindersley, der reaktivierten, veränderten und um neue Themen erweiterten Reihe "Sehen, Staunen, Wissen" aus dem Gerstenberg Verlag. Es bleiben die bekannten Attribute: Doppelseitenlayout zum thematischen Aspekt, kurzer Einführungstext, ausführliche Bildunterschriften zur durchweg attraktiven Illustrierung aus dem unerschöpflichen DK-Bilderpool. Extra: Das jedem Band beigefügte Riesenposter veranschaulicht noch einmal die wichtigsten Fakten auf einen Blick. Die Themenbreite, die die Reihe abdeckt, wird jeden Schüler den passenden Band für sein Referat finden lassen.
Namhafte Autoren wie David Lambert, der zahlreiche Bücher über Dinosaurier geschrieben hat und für seine Darstellung der prähistorischen Welt mehrere Preise erhalten hat, hat diesen ersten Band der Wissensreihe verfasst. Es gibt wohl kaum ein Kind, das nicht irgendwann einmal von diesen seltsamen und imposanten Lebewesen aus der Urzeit fasziniert ist. Sie bevölkerten über 160 Millionen Jahre lang die Erde, ehe sie dann vor 65 Millionen Jahren auf rätselhafte Weise ausstarben.
In dieser Buchreihe entdeckt bestimmt jedes Kind sein Lieblingsthema und auch mitlesende Erwachsene werden die eine oder andere Wissenslücke schließen können. Alle 50 Bände sind in der Bücherei ausleihbar!
Denn das Glück ist eine Reise

- Rita Berger (48. KW)
von Caroline Vermalle
Köln : Lübbe Ehrenwirth, 2011. - 224 S.
Aus dem Franz. übers.
ISBN 978-3-431-03835-4
Der 83-jährige Georges und sein 76-jähriger Nachbar Charles träumen schon lange davon, mit dem Auto die Etappen der Tour de France nachzufahren. Als seine Tochter, die davon nichts erfahren soll, für 2 Monate nach Peru gereist ist, starten die beiden in das schon lange bis ins Detail geplante Unternehmen. Durch Zufall kommt seine Enkelin Adèle dahinter, dass ihr Großvater, zu dem sie in den letzten zehn Jahren nur wenig Kontakt hatte, auf Reisen gegangen ist. Nur unter der Bedingung, dass Georges ihr jeden Tag eine SMS schickt, in der er ihr mitteilt, wie es ihm geht, willigt sie ein, ihrer Mutter nichts zu erzählen. Für Adèle und auch ihren Großvater, der den Umgang mit dem Handy erst erlernen muss, werden der tägliche Austausch der Nachrichten immer wichtiger. Er berichtet ihr von seinen Eindrücken und Erlebnissen und für Adèle sind sie eine willkommene Abwechslung während eines Praktikums beim Film in London. Dadurch wächst die Beziehung zwischen den beiden und wird immer intensiver.
Bei diesem schönen, preisgekrönten Roman Caroline Vermalles bekommt man direkt Lust auf eine eigene Reise durch Frankreich. Der Leser begleitet die beiden alten Freunde und erfährt, welche Freude Georges das Betrachten der schönen Landschaften macht und wie er es genießt, die Orte, die alten Gebäude und Häfen entlang der Route zu erkunden, die Köstlichkeiten der Region zu probieren und neue Menschen kennenzulernen. Georges und Charles erfahren bei dieser gemeinsamen Reise auch voneinander viel Neues, auch von Sorgen und Schwierigkeiten. Daraus erwächst eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden.
C. Vermalle versteht es, eindrucksvoll und auch humorvoll zu erzählen, dass bei gutem Verständnis zwischen den Generationen und trotz zunehmender Beschwerden und Probleme, das Leben im Alter doch noch so schön sein kann.
Der Tod der Kitty Genovese

- Daniela Kies (45. KW)
von Didier Decoin
Hamburg [u.a.] : Arche, 2011. - 160 S.
Aus dem Franz. übers.
ISBN 978-3-7160-2660-1
Im Jahr 1964 fiel die 28-jährige Amerikanerin Kitty Genovese vor und in ihrem eigenen Wohnhaus einer Vergewaltigung und einem Mordanschlag zum Opfer. Der Angriff mittels Messer zog sich mit einigen Unterbrechungen fast eine Stunde hin. Insgesamt 38 Personen, Nachbarn des Opfers, wurden Augen- und/oder Ohrenzeugen des Überfalls - aber keiner half.
Die gleiche Thematik nach einem wahren Fall hatte auch mein Buchtipp vom 17.08.11. Jedoch ist dieses Buch ganz anders. Während R. Jahn mit "Ein Akt der Gewalt" den anspruchsvollen Thrillerleser bedient, beleuchtet der Goncourt-Preisträger Decoin nicht nur die „Mitschuld“ der Zeugen (die ihnen völlig unbewusst ist) und den Tathergang, sondern auch die Gerichtsverhandlung und das Verhalten der Medien. In seinem literarisch herausragenden Dokumentardrama legt Decoin seinen Focus auf den Prozessverlauf und auf die Psyche des Täters. Während Decoin das Leben Kittys äußerst gefühlvoll beschreibt, haben die kurzen, aber bedeutsamen Passagen aus den Gerichtsverhandlungen protokollarischen, journalistischen Charakter. Die reinen Tatsachen sind eine sprachlich perfekte Niederschrift des Grauens, des Entsetzens und des Unglaubens. Kein Wort, kein Satz wurde hier zu viel geschrieben.
Die Midlife Brise : frische Gedanken für die Lebensmitte

- Brigitte Gehling (42. KW)
von Antje Rösener und Hansjörg Federmann
München : Adeo, 2011. - 175 S.
ISBN 978-3-942208-29-1
Mit welchen Gedanken beschäftigen wir uns in der Lebensmitte? Was ist eigentlich aus den eigenen Idealen, Träumen und Plänen geworden? In Briefform beantworten Antje Rösener und Hansjörg Federmann einfühlsam viele Fragen:
Hat man mit vierzig seine Ideale begraben? Welcher Generationsvertrag gilt heute? Macht Geld glücklich? Was ist das Geheimnis eines erfolgreichen Ehelebens? Wieder zu zweit - wie wir das Leben weitergeben? Was ist mir heilig? Können die nächsten zehn Jahre spannend werden? - Die mittleren Lebensjahre sind kostbar. Noch besteht die Chance, dem eigenen Lebensweg eine neue Wende zu geben oder eine gute Spur zu vertiefen. Die evangelischen Theologen Antje Rösener (Studienleiterin im Ev. Erwachsenen-Bildungswerk in Dortmund) und Hansjörg Federmann (Psychologe und evangelischer Theologe, Gemeindeberater der Westfälischen Kirche) spüren in ihrem Gedankenaustausch vielen wertvollen Themen nach, die unser Leben um die 40 berühren.
Sturmnächte

- Sabine Elbers (39. KW)
von Katharina Winter
München : Diana-Verl., 2011. - 382 S.
ISBN 978-3-453-35513-2
Als Carla von dem alten Herrenhaus in der Eifel erfährt, das sich seit Jahrzehnten im Besitz ihrer Familie befindet, ist sie fassungslos: Wieso hat ihr nie jemand davon erzählt? Da Carla sich gerade in einer schwierigen Lebenssituation befindet, zieht sie mit ihrer kleinen Tochter dort ein und macht schon bald eine grausige Endeckung: Im Garten des Hauses gibt es ein Grab, auf dessen Grabstein ihr eigener Name steht, der Tag ihrer Geburt und der ihres Todes ...
In einem Interview sagte die Autorin: "(...) wenn es den Lesern Freude macht, meinen Figuren bis zur Auflösung zu folgen, habe ich das wichtigste Kriterium für einen spannenden Roman erfüllt - ich habe eine Handlung entworfen, die fesselt und berührt."
Ihre Zielsetzung ist Katharina Winter mit diesem Roman, der Mystery, Thriller, Krimi und Liebesgeschichte miteinander vereint, gelungen. Sie versteht es, aus jedem Genre das Beste herauszuziehen. Spannend von Anfang an und stellenweise - vor allem aber zum Ende - so mitreißend, dass Tränen und Gänsehaut gleichermaßen garantiert sind!
Katharina Winter, geboren in Sangerhausen im Südharz, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in der damaligen DDR, bevor sie 1989 nach Westdeutschland ausreisen konnte. Nach verschiedenen beruflichen Stationen begann sie, ihren alten Traum vom Schreiben weiterzuverfolgen. Nach Puppentod ist Sturmnächte ihr zweiter Roman im Diana Verlag.
Frühstück mit Proust

- Rita Berger (36. KW)
von Frédérique Deghelt
Berlin : Rütten & Loening, 2010. - 286 S.
Aus dem Franz. übers.
ISBN 978-3-352-00792-7
Um zu verhindern, dass ihre Großmutter Mamoune nach einem Schwächeanfall ins Altersheim kommt, wie deren Töchter entschieden haben, holt die 30-jährige Journalistin Jade sie kurz entschlossen zu sich in ihre kleine Pariser Wohnung. In der nun folgenden Zeit lernen sich Großmutter und Enkelin neu kennen. Jade erfährt, dass Mamoune, die einfache, scheinbar ungebildete Bergbäuerin, seit sechzig Jahren eine begeisterte Leserin ist. Heimlich hat sie die Klassiker der Weltliteratur gelesen. Nicht einmal ihr verstorbener Mann wusste von ihrer großen Leidenschaft. Jade vertraut ihrerseits der Großmutter an, dass sie einen Roman geschrieben hat, jedoch dafür bisher noch keinen Verlag gefunden hat. Dabei will Mamoune ihr nun helfen.
Frédrique Deghelt erzählt in dieser wunderschönen Geschichte, wie sich zwei Frauen durch die gemeinsame Begeisterung für die Literatur, das Lesen und das Schreiben, immer näher kommen. Und, obwohl Großmutter und Enkelin zwei Generationen trennen und sie auch unterschiedlicher nicht sein können, zeigt sich, dass bei gegenseitiger Achtung und Verständnis füreinander, ein gemeinsames Leben möglich ist. Beide finden auch noch die große Liebe - jedoch folgt ein überraschender Schluss, der nachdenklich stimmt.
Frédérique Deghelt ist Journalistin, Fernsehregisseurin und leidenschaftliche Weltreisende und lebt in Paris.
Ein Akt der Gewalt

- Daniela Kies (33. KW)
von Ryan David Jahn
München : Heyne, 2011. - 269 S. - (Heyne Hardcore)
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-453-26679-7
4 Uhr morgens in einer kalten New Yorker Märznacht: Katrina Marino wird im Innenhof eines Appartementhauses niedergestochen und eine Stunde später vom zurückgekehrten Täter vor ihrer Haustür vergewaltigt und ermordet. In ihren Wohnungen hören viele Bewohner Katrinas Hilfeschreie und beobachten teilweise das Verbrechen von ihren Fenstern aus, aber niemand ruft die Polizei. Soweit zum Geschehen im Thrillerdebüt des amerikanischen Drehbuchautors, das auf einen wahren Fall in den 60ern beruht, der in der Psychologie unter Bystander- oder Genovese-Effekt bekannt ist.
Ryan David Rahn erzählt nüchtern in mehreren zeitgleichen Handlungssträngen, warum die Zeugen nicht eingreifen. Zum einen verlässt sich jeder auf die anderen („Bestimmt hat schon einer die Polizei gerufen.“), zum anderen kämpfen sie mit ihren eigenen Problemen (Coming-Out, Krankheit der Mutter, Ehekrisen,…). Alle Handlungsstränge stehen mehr oder weniger miteinander in Verbindung und führen letztendlich zum Zusammentreffen der Protagonisten direkt nach der Bluttat im Innenhof. Ein eindringlicher, beklemmender und zugleich aufwühlender Roman!
Die Kindergartenbande

- Daniela Kies (30. KW)
erzählt von Susan Niessen. Mit Bildern von Elke Broska
Berlin [u.a.] : Langenscheidt, 2011. - [11] Bl. : überw. Ill. (farb.)
3. Band: Picknick mit Kühen ISBN 978-3-468-20785-3
4. Band: Kleider-Quatsch-Tag ISBN 978-3-468-20786-0
Unter dem Motto „Englisch entdecken“ sind nun zwei weitere Bände in der Reihe „Die Kindergartenbande“ erschienen. In der konzeptionell gut durchdachten und überzeugend umgesetzten Reihe sind 2010 bereits zwei Titel erschienen, in der bei Kindern im Kindergartenalter die Lust an Englisch geweckt werden soll. Mit einer guten Geschichte, fröhlichen Bildern, vielen Klappen zum Öffnen und einer Hörspiel-CD sollte dies auch gelingen. Die Geschichten sind überwiegend auf Deutsch, jedoch werden englische Vokabeln und ganze Sätze sinnvoll und schlüssig im Text verwendet. Die englischen Wörter werden durch Paraphrasieren, Nachfragen oder direktes Übersetzen einer anderen Figur erklärt. Auf witzige und liebevolle, frische und lebendige Art und Weise, können Kinder ab 4 Jahren den ersten Kontakt mit dem Englischen knüpfen, ohne gleich überfordert zu werden.
In „Picknick mit Küken“ lädt Sarah ihre Freunde zu einem Picknick ein. Dabei lernen die Kinder spielerisch, was z.B. "chocolat cake", "potato salad" oder "sweets" bedeuten. In „Kleider-Quatsch-Tag“ wird das Thema Kleidung und Farben aufgegriffen. Beim Verkleiden im Kindergarten werden die Kinder mit "skirt", "scarf" oder "shirt" in allen Farben von "red" über "pink" bis "purple" vertraut gemacht.
Little Bee

- Sabine Elbers (27. KW)
von Chris Cleave
Dt. Erstausg. - München : Dt. Taschenbuch-Verl. , 2011. - 316 S. - (dtv-premium ; 24819)
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-423-24819-8
Manchmal wünscht sie sich, sie wäre eine englische Pfundmünze: dann würde sich nämlich jeder freuen, sie zu sehen. Little Bee ist 16 Jahre alt und stammt aus Afrika. In ihrer Heimat ist ihr Schreckliches zugestoßen, und seit zwei Jahren lebt sie in einem englischen Abschiebelager für Asylbewerber. Trotz allem ist sie ein Mensch voll Lebensfreude, Witz und Intelligenz. In England kennt sie außerhalb des Lagers nur zwei Menschen: Vor Jahren hat sie in Nigeria das Ehepaar Sarah und Andrew, die im englischen Kingston-upon-Thames in privilegiertes Leben führen, kennengelernt. Ein furchtbares gemeinsames Erlebnis hat eine tragische Verbindung zwischen ihnen geschaffen. Als Little Bee aus dem Lager entlassen wird, ruft sie bei Sarah und Andrew an. Ein Anruf, der unvorhersehbare Folgen hat: Einige Tage später bringt sich Andrew um. Und kurz darauf steht Little Bee vor Sarahs Tür ...
Der britische Autor bringt in seinem zweiten Roman seine Erfahrungen aus der Arbeit in einem Flüchtlingslager ein, lässt abwechselnd Sarah und Little Bee berichten, bringt so zwei unterschiedliche Erzähl- und Sehweisen ein, eher nüchtern und belastet bei Sarah, emotional, lebendig und intelligent bei Little Bee. „Little Bee“ ist ein ergreifendes Buch über das Aufeinandertreffen zweier Kulturen.
Chris Cleave schreibt für den englischen 'Guardian' und lebt mit seiner Frau und seinen drei Söhnen in London. Er hat u.a. als Barmann, Hochseematrose und Journalist gearbeitet, Meeresnavigation unterrichtet und eine Internetfirma gegründet.
Ein besonderer Tipp ist das Hörbuch zu „Little Bee“.
Britta Steffenhagen (Radiojournalistin, Schauspielerin, Synchronsprecherin) wird Sarah in allem gerecht und die jugendliche Stimme der Schauspielerin vermittelt jede Nuance der so leidgeprüften und doch munteren und lebensbejahenden Little Bee.
Eines Tages vielleicht

- Brigitte Gehling (24. KW)
von Laura Moriarty
Köln : Bastei Lübbe Taschenbuch, 2010. - 366 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-404-16475-2
Was fühlt eine Mutter, deren Tochter das Leben eines anderen Menschen auf dem Gewissen hat? Was fühlt eine Tochter, die weiß, dass sie einen Fehler nie wieder gutmachen kann?
Kara hat durch Unaufmerksamkeit einen Verkehrsunfall verursacht. Eine Schülerin wird dabei getötet. Auf einmal ist für Kara und ihre Familie alles anders. Der Leser erlebt die Wochen nach dem Unfall, das Verhalten der Nachbarn und die Angst der Familie. Konflikte und Auseinandersetzungen nach diesem tragischen Unglück werden ungeschönt geschildert. Nach und nach wird klar, dass Kara die Schuldgefühle nicht aushält. Sie will sich selbst bestrafen. Mutter Leigh merkt wie schwierig die Beziehung zu ihrer Tochter Kara ist. Als Mutter hat sie in der Erziehung viel falsch gemacht hat, genau wie ihre eigene Mutter damals, auch wenn sie sich geschworen hatte, als Mutter alles richtig zu machen. Die Geschichte zeigt, dass Mütter alles andere als perfekt sind und wie ein Unfall die Wende in der Beziehung sein kann.
Laura Moriarty lebt mit ihrer Tochter in Kansas (Vereinigte Staaten).
Wiedersehen in Havenswalk

- Daniela Kies (21. KW)
von Laura Elliot
Reinbek bei Hamburg : Wunderlich, 2011. - 492 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-8052-5000-9
Die vier Lambert-Schwestern, Rebecca (17 J.), Julie (14 J.), Lauren (12 J.) und Cathy (8), sind nach dem tragischen Unfalltod ihrer Eltern auf sich allein gestellt und traumatisiert. In Briefen an ihre tote Mutter erzählt Cathy, wie sehr alle unter dem Verlust leiden. Rebecca fühlt sich für alle verantwortlich und Lauren quälen tiefe Schuldgefühle. Als Cathy mit 15 Jahren unter Drogeneinfluss von ihrem Schwager vergewaltigt und davon schwanger wird, sieht Cathy nur einen Ausweg, damit ihre Schwester glücklich bleibt: sie flieht – zuerst nach London, dann nach Neuseeland, wo sie sich zusammen mit ihrem Sohn Connor eine neue Existenz aufbaut. Mehr als 15 Jahre nach ihrer Flucht lädt sie ihre Schwestern auf Drängen ihres Sohnes zu ihrer geplanten Hochzeit ein. Mit zwiespältigen Gefühlen begeben sich die drei Schwestern auf die Reise ans andere Ende der Welt, nicht ahnend, dass sie sich auch auf eine Reise zu sich selbst aufmachen.
Die irische Autorin Laura Elliot schreibt detailliert und mit feinem Sinn für das Zwischenmenschliche. Schöne Landschaftsbeschreibungen gepaart mit lebhaften Dialogen, etwas Humor und Ironie machen aus der bewegenden Familiengeschichte einen unterhaltsamen Schmöker, der nicht ohne Tiefgang, aber auch nicht allzu anspruchsvoll für zukünftige laue Sommerabende ist.
Der alte König in seinem Exil

- Brigitte Gehling (18. KW)
von Arno Geiger
München : Hanser, 2011 – 188 S.
ISBN 978-3-446-23634-9
Arno Geiger erzählt von seinem alten Vater, der langsam Orientierung und Gedächtnis verliert. Er begleitet den kranken Vater viele Jahre und hält mit ihm Rückschau auf dessen Lebensweg. In nur scheinbar sinnlosen und oft so wunderbar poetischen Sätzen entdeckt er, dass es bei seinem demenzkranken Vater noch alles gibt: Charme, Witz, Selbstbewusstsein und Würde. Berührend, offen, liebevoll, manchmal irritierend und voller Humor beschreibt er eine ungewöhnlich innige Vater-Sohn-Beziehung.
Der Autor geht bei der Annäherung an Alzheimer und Demenz einen sehr persönlichen Weg. Seine Aussage ist: „Da mein Vater nicht mehr über die Brücke in meine Welt gelangen kann, muss ich hinüber zu ihm.“
Das Besondere ist aber vor allem, dass es sich um eine tief berührende, authentische Beziehungsgeschichte handelt, die jedem von uns Denkanstöße für das eigene Leben geben kann.
Frost

- Sabine Elbers (15. KW)
: Thriller
von John Rector
Reinbek bei Hamburg : Rowohlt-Taschenbuch-Verl., 2010. - 282 S. - (rororo ; 25493)
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-499-25493-2
Ein junges Paar fährt mitten im Winter mit all seiner Habe Richtung Süden. Sara ist schwanger, Nate wird von der Polizei gesucht. In einem Diner an der Tankstelle bittet ein erbärmlich hustender Mann sie, ihn gegen Bezahlung mitzunehmen. Die drei fahren los, hinein in einen Blizzard. Bald ist die Straße nicht mehr passierbar, und der Fremde beginnt zu delirieren. Als sie sich in ein abgelegenes Motel gerettet haben, atmet der Mann nicht mehr. Sara und Nate öffnen sein Hemd und finden eine Schusswunde. Sie öffnen seinen Koffer und finden Geld. Viel Geld. Herrenloses Geld? Mit Sicherheit nicht...
Dem Autor ist es gelungen, von Anfang an eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen und immer wieder spannende Überraschungseffekte einzufügen. Er überzeugt durch die gut konstruierte, unkomplizierte Story, ein angenehmes Erzähltempo, anschauliche Beschreibungen und glaubwürdige Charaktere. „Eiskalt“ packender Pageturner.
John Rector, geb. am 23. August 1970, wuchs in Colorado Springs auf. Er hat zahlreiche, teilweise mit Preisen ausgezeichnete Kurzgeschichten in diversen Publikationen und Magazinen veröffentlicht, während er seinen Lebensunterhalt mit verschiedensten Jobs, u.a. als Gärtner, Barkeeper und Musiker, bestritt. "The grove" war sein erster Roman, er erschien 2009 zunächst als E-Book, 2010 dann als gedrucktes Buch. John Rector, dessen Interessen als Autor von niemand geringerem als Allan Guthrie vertreten werden, lebt mit seiner Familie in Nebraska.
Winterkartoffelknödel

- Daniela Kies (12. KW)
: ein Provinzkrimi
von Rita Falk
München : Dt. Taschenbuch-Verl., 2010. - 233 S. - (dtv-premium ; 24810)
ISBN 978-3-423-24810-5
Polizist Franz Eberhofer wurde in seinen Heimatort Niederkaltenkirchen (niederbayerische Provinz) strafversetzt. Nun lebt er wieder zuhause bei seinem Vater und seiner Oma. Und auch sonst kennt man sich im Ort. Eigentlich ist der Posten als Dorfpolizist äußerst ruhig, bis aus der Neuhofer-Familie der Vater, die Mutter und der älteste Sohn unter merkwürdigen Umständen kurz nacheinander ums Leben kommen. Unglücksfälle oder hat der zweite Sohn damit etwas zu tun? Dieser verkauft das geerbte Anwesen umgehend an einen Tankstellenbetreiber. Doch dann stirbt auch er unter mysteriösen Umständen. Franz Eberhofer ermittelt eigenwillig und unkonventionell, auch wenn sein Vierfachmord zuerst als Fantasterei abgetan wird.
Rita Falks erster Kriminalfall ist nicht spektakulär und wahrscheinlich für versierte Krimileser schnell durchschaubar. Aber die niederbayerische Autorin erzählt ihren amüsanten „Provinzkrimi“ so augenzwinkernd und mit bissigem Humor, dass dies dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut. Vor allem die kleinen und großen Schwächen der Menschen sind es, die diesen Fall ausmachen. Rita Falk beschreibt das Leben in der heilen Welt der Nachbarschaft, in der jeder jeden kennt und Geheimnisse nur solange unter der Decke bleiben, wie sie nicht von allgemeinem Interesse sind.
Ein besonderer Tipp ist das Hörbuch zu „Winterkartoffelknödel“, gelesen von Christian Tramitz. Sein original bayerischer Ton passt hervorragend – hart aber herzlich erzählt er als Franz den Krimi mit viel Situationskomik.
Die Wahrheit über Alice

- Daniela Kies (9. KW)
von Rebecca James
Reinbek bei Hamburg : Wunderlich, 2010. - 317 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-8052-5003-0
Die 17-jährige Katherine Patterson, alias Katie Boydell, hütet ein quälendes Geheimnis. Um den Verleumdungen in ihrer Heimatstadt Melbourne zu entgehen, zieht sie unter falschem Namen zu ihrer Tante nach Sydney. Auf der Drummond Highschool fristet sie ein Dasein als Einzelgängerin, einerseits damit niemand von ihrer Vergangenheit erfährt und andererseits um sich nicht erneut emotional an Menschen zu binden. Doch dann kommt die attraktive Alice, die sie umwirbt und hofiert. Katherine bekommt durch die Freundschaft mit Alice und deren Freund Robbie neuen Lebensmut und fasst Vertrauen zu ihr. Stückweise weiht sie Alice in ihr Geheimnis ein. Doch dann verändert sich Alice auf bedrohliche Weise: Sie demütigt zuerst Robbie, dann auch Katherine und entwickelt sich zu einem perfiden Miststück und Stalkerin. Ist Alice nur psychisch gestört oder hat sie auch einen persönlichen Grund für ihr Verhalten?
Die australische Autorin Rebecca James lässt Katherine als Ich-Erzählerin im Wechsel aus der Gegenwart, der Vergangenheit und der Zukunft ihre Geschichte erzählen, wodurch der Leser intensiv am Innenleben Katherines teilhaben kann. Nur nach und nach erfährt der Leser die gesamte Wahrheit. Themen wie der Umgang mit dem Tod in der Familie und die Frage nach Schuld werden angesprochen. Herausgekommen ist ein spannungsgeladener Roman, voller tragischer und verstörender Wendungen und überraschenden Ende.
Pilgern im Münsterland

- Brigitte Gehling (6. KW)
hrsg. von Maria Kleingräber für die Kath. Landfrauenbewegung der kfd im Bistum Münster
Münster : Aschendorff Verlag, 2010. - 128 S. : zahlr. Ill. (farb.), Kt.
ISBN 978-3-402-12796-4
Das Ziel der meisten ehrgeizigen Pilger heißt Santiago de Compostela. Doch auch im Münsterland kann man pilgern. Viele kleine, traditionsreiche und lebendige Wallfahrtsorte gibt es in unserer Heimat. In diesem kleinen Buch laden sieben Routen ein, sich auf den Weg zu machen. Route 1 führt den Anna-Katharina-Emmerich-Weg von Dülmen nach Coesfeld. Route 2 ist der Kreuzweg in Havixbeck. Route 3 will die Spur Gottes im Raum Herzfeld näher bringen. Route 4 lädt zur Begegnung mit Maria und Josef von Holtwick nach Eggerode ein. Route 5 zeigt die Wallfahrtstradition im Geiste des Kardinal von Galen von Münster nach Telgte. Route 6 ist ein Pilgerweg von Vreden nach Zwillbrock. Route 7 führt in die Gegend von Werne. - Gebetsvorschläge für das Pilgern laden zum Meditieren ein. Routenpläne und Kontaktadressen führen die Pilger an ihr Ziel.
Maria Kleingräber hat das Büchlein in Zusammenarbeit mit der katholischen Landfrauenbewegung (KLFB) im Bistum Münster herausgegeben.
Hitlers Violine

- Sabine Elbers 3. KW
von Igal Shamir
Wien : Zsolnay , 2010. - 348 S.
Aus dem Franz. übers.
ISBN 978-3-552-05520-9
Auf einem Schloss in Frankreich, Zweiter Weltkrieg: Gustav Schultz, ein deutscher Geiger, spielt vor Hitler und seinem engsten Kreis. Danach zerschmettert Hitler die Geige und lässt Schultz hinrichten. Ein kleiner Junge wird Zeuge der Schreckenstat, deren Grund er nicht erfährt. Als er, inzwischen hoher Würdenträger der Kirche in Rom, ein halbes Jahrhundert später den Violinvirtuosen Gal Knobel das Stück von damals spielen hört, will er mit ihm zusammen das Rätsel lösen. Was hat Hitlers Zorn damals so erregt?
Der auf wahren Begebenheiten beruhende komplexe Roman beginnt auf dem französischen Schloss mit dem tödlichen Wutanfall Hitlers, um dann in die Jetzt-Zeit im römischen Vatikan zu wechseln.
Durch zahlreiche Perspektiven- und Ortswechsel ist die Aufmerksamkeit des Lesers intellektuell ständig gefordert. Des Weiteren besticht der historisch aufwendig recherchierte Agententhriller durch seine genaue Kenntnis der musikalischen Barockgeschichte.
Ein packend „komponierter“ Thriller, der in den Archiven des Vatikan, in Venedig und Paris spielt und um ein musikalisches Geheimnis kreist.
Igal Shamir wurde 1938 in Tel Aviv geboren und war Pilot in der israelischen Armee. Von Yehudi Menuhin entdeckt, wurde er ein international renommierter Geiger und unterrichtete an der Schola Cantorum in Paris. 1971 schrieb er das Buch La Cinquième Corde (Die fünfte Saite), das als Vorlage für den Film „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ von Yves Robert diente.
2010
Der Ministerpräsident

- Rita Berger 52. KW
von Joachim Zelter
ein Roman - Tübingen : Klöpfer & Meyer, 2010. - 188 S.
ISBN 978-3-940086-83-9
Nach einem schweren Autounfall erwacht Claus Urspring, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, nach 14-tägigem Koma in einem Krankenhaus und hat kaum Erinnerung an sein bisheriges Leben. Er erfährt, dass er Ministerpräsident ist, in Kürze Landtagswahlen anstehen und seine Chancen auf Wiederwahl hoch sind. Bereits im Krankenhaus versucht sein politischer Berater, sehr zum Missfallen seiner Ärztin, Urspring wieder in die Landespolitik einzugliedern. Da er Schwierigkeiten hat, Reden zu halten, wird die junge Tontechnikerin Hannah eingesetzt, um von Urspring gesprochene Wörter und Sätze aufzunehmen und zu politischen Reden zusammenzuschneiden, die dann bei seinen späteren Auftritten als Playback eingespielt werden. Ein weiteres Problem ist, dass Urspring hinkt. Damit dies nicht auffällt, soll der Ministerpräsident von nun an mit dem Rennrad zu den Veranstaltungen fahren, womit er auch noch einen ökologischen Umweltgedanken darstellt. Öffentlichkeitswirkung, Wählerstimmen und Umfragewerte sind wichtiger als Urspring, der nur noch als Marionette seiner Partei agiert. Ein Fahrradausflug Ursprings mit Hannah, bei dem sie zahlreiche witzig, komische Situationen erleben, führt zu einem unerwarteten Ende.
Dies ist ein faszinierender, auch durch die Sprache überzeugender Roman über Macht und Moral, eine politische Satire mit feinsinnigem Humor, die jedoch auch sehr zu denken gibt.
Joachim Zelter, 1962 in Freiburg geboren, studierte und lehrte englische Literatur, ist seit 1997 freier Schriftsteller und wurde für sein Werk vielfach ausgezeichnet. „Der Ministerpräsident“ ist nominiert für den Deutschen Buchpreis.
Simpel

- Daniela Kies (49. KW)
von Marie-Aude Murail
Frankfurt am Main : Fischer-Taschenbuch-Verl. , 2010. - 294 S. - (Fischer ; 18596)
Aus dem Franz. übers.
ISBN 978-3-596-18596-2
Der 22-jährige Barnabé, genannt Simpel, ist 22 Jahre alt, geistig behindert und auf dem Stand eines 3-jährigen. Er spielt mit Playmobil und hat einen Stoffhasen, Monsieur Hasehase, mit dem er spricht und der ihn fast überall hin begleitet. Colbert, sein fünf Jahre jüngerer Bruder, beschließt nach dem Tod der Mutter, sich um Simpel zu kümmern, denn ihr Vater schiebt Simpel lieber in ein Heim ab. Doch das Leben mit Simpel ist nicht simpel. Schon die gemeinsame Wohnungssuche ist eine einzige Katastrophe. Letztendlich ziehen sie in eine Pariser Studenten-WG. Dort leben die schöne Aria mit ihrem unausstehlichen Freund Emmanuel, ihr Bruder Corentin und Enzo, der in Aria verliebt ist. Simpel wirbelt diese WG gehörig durcheinander, teils weil er Unfug anstellt, teils weil er unbequeme Wahrheiten ausspricht. Gleichzeitig versucht Colbert, sein eigenes (Liebes-)Leben zu leben. Nach vielen Spannungen, sowohl witzigen als auch peinlichen Situationen gewinnt Simpel die Herzen der Mitbewohner und des alten Nachbarn. Als ihr Vater das Jugendamt einschaltet, um Simpel erneut im Heim unterzubringen, rührt sich kollektiver Widerstand.
Die Geschichte über die ungleichen Brüder ist leicht, lebendig und mit viel Humor aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Die französische Autorin verleiht Simpel einen liebenswerten und unkitschigen Charme, doch der Leser spürt auch, wie anstrengend er sein kann.
Das Buch wurde 2008 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
Tiere aus aller Welt

- Brigitte Gehling (46. KW)
von Gabi Neumayer
mit Ill. von Johann Brandstetter
München : cbj, 2010. - 55 S.
(Frag doch mal ...?! - Die Sachbuchreihe mit der Maus)
ISBN 978-3-570-13634-8
Tiere interessieren und faszinieren junge und alte Menschen. In nahezu jeder Familie haben seit 35 Jahren die bekannten „Sachgeschichten“ einen Sonderstatus: „Die Sendung mit der Maus“ ist ein Klassiker mit Kultstatus! In dieser Sachbuchreihe wecken einfache und verblüffende Kinderfragen das Interesse an komplexen Sachverhalten, die dann Schritt für Schritt erklärt werden. Auf je einer Doppelseite werden 23 Fragen aus dem Leben der Tiere erläutert: Spinnt die Spinne ihr Netz immer gleich? Warum können Schimpansen nicht sprechen, wo sie uns doch so ähnlich sind? Haben Elefanten wirklich ein besonders gutes Gedächtnis? Warum haben Giraffen einen so langen Hals? Wie können Ameisen so schwere Sachen tragen? Warum hat das Kamel Höcker? Zum Glück kennt die Maus die Antworten. Mit tollen Fotos und Illustrationen lädt sie zu einer faszinierenden Entdeckungsreise ins Tierreich ein. Immer wieder fließen kleine Geschichten mit ein, die das Buch für die Kinder noch spannender macht. Das Mauslexikon und ein großes Poster ergänzen die Erklärungen.
Marterpfahl : Sommer mit Indianer

- Sabine Elbers (43. KW)
von Stefan Melneczuk
Windeck : Blitz-Verl., 2010. - 254 S.
ISBN 978-3-89840-295-8
Hattingen 1984: In einem Bergwerksstollen kommt bei einer Mutprobe der Jugendclique "Indianer" der 12-jährige Marc am Marterpfahl ums Leben. Mehr als 25 Jahre später holt die Vergangenheit die 4 anderen Beteiligten wieder ein: Roland, David und Thomas verbindet seit ihrer Kindheit ein dunkles Geheimnis. Gequält durch seltsame Begebenheiten versuchen sie, sich ihrer Schuld zu stellen. Doch um Frieden zu finden, müssen die Freunde ihre Angst bezwingen und in den Hattinger Wäldern noch einmal an den Ort ihrer schlimmsten Alpträume zurückkehren. Auf dem Weg in die Vergangenheit beginnt für die Männer ein unerbittlicher Wettlauf gegen die Zeit und die Geister, die ihnen folgen.
Mit viel Zeitkolorit (der 1980er), fassbaren Figuren und interessanten psychologischen Einblicken entsteht in einem Wechsel von Vergangenheit und Gegenwart eine fesselnde Geschichte von Schuld und Sühne, die teilweise ins Übernatürliche abdriftet. Alle Mystery-Thriller Fans werden bestimmt auf ihre Kosten kommen.
Stefan Melneczuk ist Schriftsteller und Journalist, kam an Halloween 1970 zur Welt, lebt in Hattingen, schreibt seit 1985 dunkle Literatur und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet - unter anderem 1993 mit dem Hattinger Literaturpreis. Bei Lesungen, zuletzt unter anderem beim Krimi-Festival „Tatort Eifel“, zieht Stefan Melneczuk alle Register – zwischen gepflegtem Horror und Melancholie, stets gewürzt mit schwarzem Humor.
Monis Jahr

- Elisabeth Demes (40. KW)
von Kirsten Boie
München : Dt. Taschenbuch-Verl. , 2009. - 390 S. -
(dtv-Großdruck)
ISBN 978-3-423-25298-0
Die zehnjährige Moni lebt mit ihrer Mutter und Großmutter, der Mutter ihres Vaters, in bescheidenen Verhältnissen in einer kleinen Wohnung in Hamburg. Man schreibt das Jahr 1955 und der Vater wird seit 10 Jahren vermisst. Moni hat ihn nie gesehen und kennt ihn nur als "verblichenes Foto auf der Küchenkommode". In dieser Zeit normalisiert sich langsam der Alltag in Deutschland, aber für Moni wird in diesem Jahr alles anders. Sie soll als erste ihrer Familie in die Oberschule gehen. Doch plötzlich überfallen sie Zweifel, ob sie da auch wirklich hingehört. Ihre Mutter hat einen neuen Mann kennen gelernt und möchte ihn heiraten. Monis Großmutter jedoch glaubt fest an die Rückkehr ihres Sohnes und kann die Entscheidung ihrer Schwiegertochter nicht akzeptieren. Die Stimmung in der kleinen Familie ist sehr gespannt und Moni steht zwischen den beiden Frauen. Soll sie den Freund ihrer Mutter nun "Papa" nennen? Was ist wenn ihr richtiger Vater doch noch lebt? Wann vertragen sich Mutter und Großmutter wieder? In der Oberschule findet Moni neue Freunde, verliert alte und bekommt gesellschaftliche Schranken zu spüren.
Moni erzählt wie eine gute Freundin von ihrem Leben in den 50er Jahren: von der Oberschule und neuen Freunden, von der dünnen Suppe und den Familienstreitigkeiten. Zur Atmosphäre des Buches trägt auch die plattdeutsche Sprache der Großmutter bei, die für Münsterländer aber gut zu verstehen ist - andere können Übersetzungen ins Hochdeutsche im Anhang nachlesen.
"Monis Jahr" ist eine Jedermannsgeschichte, wie sie damals häufiger passiert ist. Und gerade das macht sie interessant. Eine Geschichte über das Erwachsen werden, liebevoll und literarisch erzählt, ein Buch, das, anrührend, aber nicht kitschig, den Blick auf eine Zeit wiedergibt, die noch gar nicht so lange zurück liegt. Dieses Buch Kirsten Boies, sonst als Kinder- und Jugendbuchautorin bekannt, ist empfehlenswert für Kinder von heute und damals!
Sarahs Schlüssel

- Sabine Elbers (37. KW)
von Tatiana de Rosnay
Berlin : Bloomsbury, 2009. - 393 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-8333-5021-4
Paris, 2002: Julia, eine amerikanische Journalistin, die mit ihrem französischen Mann in Paris lebt, entdeckt, dass die Familie ihres Mannes jahrzehntelang in einer Wohnung gelebt hat, die vor 1942 Juden gehörte. Als sie sich auf die Suche nach der jüdischen Familie macht, ahnt sie nicht, dass dies ihr Leben radikal verändern wird. Ihre Recherche führt sie zurück in den Sommer 1942, zu Sarah, einem zehnjährigen jüdischen Mädchen, das mit ihren Eltern von der französischen Polizei deportiert wurde. Getrieben von dem Wunsch, ihren kleinen Bruder zu retten, der zu Hause versteckt in einem Wandschrank wartet, gelingt ihr die Flucht. Den Schlüssel zum Schrank hält sie in der Hand...
Ein großartiger und ergreifender, leicht lesbarer, Roman über die Grausamkeit des nationalsozialistischen Systems, welches auch nach Frankreich übergegriffen und mitgeholfen hat, in Frankreich lebende Juden deportieren zu lassen. Dieser Roman handelt von einer sich im Jahr 1942 tatsächlich zugetragenen Massendeportation vieler jüdischen Familien in das Velodrome d'Hiver, einem Radrennstadium, wobei besonders viele Kinder davon betroffen waren. Sarah und ihre Familie sind fiktive Personen, die dieser Massendeportation und schließlich -vernichtung unterworfen wurden. Das Besondere an diesem Roman ist das Verweben der Zeitgeschichte. Eine junge Journalistin ist aufgefordert das Schicksal der damals an der Deportation beteiligten Juden zu recherchieren. Dies und ihr eigenes Schicksal, welches, wie sich zeigt, eng mit dieser jüdischen Familie Sarahs verbunden ist und welches schließlich zu einem Gipfelpunkt zusammen findet, macht das Besondere dieser Geschichte aus.
Fesselnd geschriebener 1. Roman in deutscher Übersetzung der 1961 geborenen und in Paris lebenden Autorin und Journalistin französisch-englisch-russischer Abstammung.
In einem Augenblick

- Brigitte Gehling (34. KW)
von Hasso und Catherine von Bredow
Eine wahre Geschichte über Schicksal, Tapferkeit
und Liebe.
München : Südwest, 2009. - 301 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-517-08567-8
Der Vater einer glücklichen Familie mit 3 Kindern erleidet mit 42 Jahren einen Schlaganfall. Aufgrund der körperlichen Lähmung, dem Locked-in Syndrom, kann Hasso von Bredow nur noch über Augenschlag Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen. Seine Frau Catherine sitzt monatelang am Krankenbett bis sie ihn schließlich als Schwerstpflegefall nach Hause holen kann. Durch Mithilfe der Großeltern, die die Kinder versorgen, sowie Freunden kann sich Catherine voll auf den kranken Mann einstellen. Mühevoll bildet Hasso Sätze mit dem Augenlid. Seine Frau Catherine versucht dieses Zwinkern mit den Augen zu übersetzen. Hasso kann keine Krankenschwester per Not-Ruf anfordern. Er kann auch bei schweren Schmerzen nur Kontakt über seine Frau aufnehmen. So vergeht manche Nacht, bei denen die Schwestern nach ihm sehen, aber seine Schwierigkeiten nicht wahrnehmen können. Diese Autobiografie gibt Einblick in das Empfinden des Kranken, die Sorgen und die Schwierigkeiten. Abwechselnd schildern Hasso und Catherine jeweils die Geschehnisse aus der eigenen Perspektive. Unerschütterlicher Überlebenswille und Kämpfergeist zeigen eine starke Familie.
Lieselotte bleibt wach

- Daniela Kies (31. KW)
von Alexander Steffensmeier
Mannheim : Sauerländer, 2010
[14] Bl. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-7941-5252-0
Die Kuh Lieselotte ist zurück! In ihrem vierten Abenteuer kann Lieselotte trotz Gutenachtgeschichte der Bäuerin nicht einschlafen. Hopsen, dicke Wollsocken, Kräutertee, ein warmes Bad und Schäfchen zählen helfen nicht. Lieselotte stellt fest, dass die anderen Tiere alle zu zweit sind. Da sei es doch kein Wunder, dass sie nicht einschlafen kann. Sie braucht Jemanden zum Kuscheln! Aber das Bett der Bäuerin ist nicht für eine Kuh geeignet, auch das Hühnerhaus ist zu klein für sie – Bett und Hühnerhaus überleben den nächtlichen Besuch von Lieselotte nicht. Durch das von ihr erzeugte Chaos auf dem Hof, werden alle auf dem Hof wach. Nur Lieselotte wühlt sich, zurückgekehrt in ihren Stall, zufrieden ins weiche Stroh, "es war schön zu hören, dass sie nicht allein auf dem Hof war".
Alexander Steffensmeier hat erneut eine vergnügliche Geschichte erschaffen. Die beliebte Hauptfigur zeigt darin menschliche Emotionen und mit dem allein Nichteinschlafenkönnen wird ein Kindern vertrautes Thema angesprochen.
Die bildliche Darstellung ist das absolute Highlight des Bilderbuches. Die farbenstarken, großformatigen Bilder animieren genauer hinzuschauen. Und es lohnt sich! Auf zahlreichen Nebenschauplätzen werden witzige Geschichten in der Geschichte gezeigt. Wer entdeckt z.B. die Schattenspiel spielenden Hühner auf der ersten Seite? Herrlich ist auch die Mimik der tierischen Charaktere gezeichnet. Der gut verständliche, kurze Text untermalt die Geschichte erklärend.
Alexander Steffensmeier, in Lippstadt geboren, absolvierte ein Designstudium mit Schwerpunkt Illustration an der Fachhochschule in Münster. Steffensmeier lebt und arbeitet als freier Illustrator (und Autor) für verschiedene Verlage in Münster.
Das Mädchen ohne Hände

- Rita Berger (28. KW)
von Mariatu Kamara mit Suan McClelland
München : Pattloch, 2009. - 207 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-629-02229-5
Im westafrikanische Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Welt, in dem von 1991 bis 2002 ein grausamer Bürgerkrieg herrschte, wächst die 1986 geborene Mariatu recht wohlbehütet in ihrer Familie auf. Vom Krieg weiß sie nicht viel, bis sie eines Tages, als Mariatu 12 Jahre alt ist, auf dem Weg in einen Nachbarort, von bewaffneten Rebellen, meist Kindersoldaten, überfallen und gefangen genommen wird. Mit unglaublicher Brutalität hacken sie ihr mit einer Machete beide Hände ab, damit sie kein Kreuz mehr auf einem Wahlschein machen kann. Schwer verletzt gelangt sie in ein Krankenhaus in Freetown, wo sie auch Verwandte wieder trifft, die das gleiche Schicksal erlitten haben. Hier erfährt sie auch, dass sie schwanger ist, von einem viel älteren, ungeliebten Mann aus ihrem Heimatdorf, dem sie als Ehefrau versprochen war. In einem Auffanglager mit über 400 Menschen ohne Hände lernt sie, mit Unterstützung ihrer Familie und Freunde, mit ihrem Schicksal zu leben. Sie schlägt sich als Bettlerin durch und bringt ihren Sohn zur Welt, mit dessen Pflege die junge Mutter jedoch völlig überfordert ist. Er stirbt noch im Säuglingsalter an Unterernährung. Das Mitspielen in einer Lager-Theatergruppe hilft ihr bei der Verarbeitung ihrer Traumata, gibt ihr neuen Lebensmut und stärkt ihr Selbstvertrauen. Durch Berichte internationaler Medien von ihrem Schicksal und mit Unterstützung von Hilfsorganisationen findet sie schließlich eine Pflegefamilie in Kanada. Sie lernt lesen und schreiben, besucht ein College und ist heute als UNICEF-Sonderbotschafterin unterwegs.
Diese ergreifende Geschichte, die Mariatu Kamara gemeinsam mit der Journalistin Susan McClelland schreibt, macht sehr betroffen und bewegt nachhaltig. Es ist kaum zu fassen, was dieses Mädchen erlebt und erlitten hat, und dass sie danach trotzdem, ermutigt und gestärkt auch durch ihre Freunde, den Willen und die Kraft aufbringt zum Weiterleben und jetzt durch ihre Vorträge auf das Schicksal von Kindern in Kriegs- und Krisengebieten aufmerksam macht, die dringend Hilfe brauchen, damit sie nicht weiter Opfer von Gewalt werden.
Himmel und Hölle

- Daniela Kies (25. KW)
von Malorie Blackman
Köln : Boje, 2008. - 509 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-414-82086-0
Geografisch gesehen leben Sephy und Callum am gleichen Ort, dennoch trennen sie Welten voneinander. Denn Sephy ist schwarz und gehört zu den mächtigen Alphas, Callum ist weiß und gehört zu den zweitrangigen Zeros. Gleichwohl verbindet die beiden eine tiefe Liebe. Nur heimlich können sie sich nahe sein. Sie sind überzeugt, dass ihre Liebe zueinander alle Vorurteile der strikten Rassentrennung überwinden kann – bis sie die Wirklichkeit einholt. Immer mehr Lügen, Misshandlungen und böse Gewalt beherrschen den Alltag. Zwischen Sephy und Callum drängt sich eine unsichtbare, schier unüberwindbare Wand und selbst ihre so große Liebe gerät immer mehr in den Strudel des alles verzehrenden Hasses zwischen Alphas und Zeros.
Die unvorhersehbare Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von Sephy und Callum erzählt. Ausführliche Beschreibungen oder flüchtige Gedankenfetzen steigern die Intensität des Buches - ganz nahe scheint man den Protagonisten zu sein. Die dramatischen Ereignisse werden greifbar und beklemmend authentisch. Besonders Sephys Leid, ihre lähmende Angst und ihr Schmerz (vom eignen Vater als „Bimbohure“ abgestempelt), gehen unter die Haut.
Malorie Blackmans moderne Romeo-und Julia-Geschichte spielt in einer utopischen und doch so realen Welt. Eine Geschichte, die überall da aktuell ist, wo Bevölkerungsgruppen wegen Hautfarbe, Abstammung oder Religion unterdrückt werden. Dieses starke und bewegende Jugendbuch über das Leben zu Zeiten des Rassismus sollten auch Erwachsene unbedingt lesen!
Kirschblüten im Wind

- Brigitte Gehling (22. KW)
von Susanne Wahl
München : Heyne, 2009. - 479 S. - (Heyne ; 40581)
ISBN 978-3-453-40581-3
1691: Katharina Sessenheimer soll, gemäß ihres Vaters Wunsch, mit einem reichen, alten Kaufmann verheiratet werden. Auf dem Weg nach Amsterdam, wo sie die Haushaltsführung für die Ehe erlernen soll, gelingt ihr die Flucht von ihren Eltern. Als ihr Jugendfreund die Reise nach Japan als Arztgehilfe nicht antreten möchte, schlüpft sie in seine Kleider und wird „Severin“, der Arztgehilfe von Dr. Liebau.
Unter den Männern geht es rau zu. Unterschiedliche Mentalitäten treffen aufeinander. Außerdem treten die Japaner den Europäern misstrauisch gegenüber. Nachdem die Japaner die missionierenden christlichen Mönche aus dem Land verwiesen haben, ist nur noch den Holländern das Betreten des Landes gestattet. Severins Abenteuer beginnt.
Cover des Buches und der erste Eindruck lassen eine gewöhnliche Liebesgeschichte erscheinen. Schnell entpuppt sich aber ein spannend geschriebener historischer Roman mit Tiefgang. Susanne Wahl wurde 1955 in Erlangen geboren und studierte Ethnologie und Anthropologie. Ihr erster historischer Roman ist deshalb gut fundiert.
Mein Leben ohne Gestern

- Sabine Elbers (19. KW)
von Lisa Genova
Bergisch Gladbach : Lübbe, 2009. – 317 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-7857-6116-1
Alice ist zufrieden mit sich und ihrem Leben. Sie ist glücklich verheiratet, ihre drei Kinder sind bereits aus dem Gröbsten raus, und auch beruflich hat sie ihren Traum verwirklichen können. Als Professorin für kognitive Psychologie ist sie eine anerkannte Größe in Harvard. Doch plötzlich beginnt sie, die immer so zuverlässig war, Termine zu vergessen, sie verlegt ihre Sachen, und beim Joggen weiß sie auf einmal nicht mehr, wie sie nach Hause kommt. Obwohl sie nur wenige Blocks weit gelaufen ist. Ein beängstigender Verdacht schleicht sich in ihr Leben: Ein Hirntumor? Alice rechnet mit dem Schlimmsten. Als sie erfährt, dass sie an einer frühzeitigen Form von Alzheimer leidet, kann sie es zunächst gar nicht glauben. Sie ist doch erst fünfzig! Machtlos muss sie dabei zusehen, wie ihre Erinnerungen ihr mehr und mehr entgleiten...
Die promovierte Neurowissenschafterin und Autorin Lisa Genova, hat mit ihrem ersten Roman eine gut recherchierte und ergreifende Geschichte um das Thema der Alzheimer-Krankheit gewoben und gewährt dem Leser Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt einer Erkrankten. Sie macht aber auch klar, welcher Belastung die betroffenen Familien ausgesetzt sind.
Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin die mangelnde Akzeptanz, die diese Erkrankung in der Bevölkerung nach wie vor erfährt sehr deutlich macht. So lässt sie ihre Protagonistin sagen: "Hätte ich doch eine Krebserkrankung, gegen die könnte ich ankämpfen und würde von meiner Umwelt als Heldin gefeiert, so werde ich allenfalls zur „Idiotin“.
Sehr beeindruckend schildert die Autorin aber nicht nur die Entfremdung und die Verluste, sondern auch die "Gewinne", die erhöhte Sensibilität Alices für das Ungesagte und die unausgesprochenen Gefühle.
Ein tolles, bewegendes Debüt, das ein Thema aufgreift, das für viele Menschen nur ein Wort, für andere der Alltag ist. Lisa Genova schreibt bereits an ihrem zweiten Roman.
Einmal

- Rita Berger (16. KW)
von Morris Gleitzman
Hamburg: Carlsen, 2009. - 187 S.
Aus dem Engl. übers.
ISBN 978-3-551-35862-2
Der neunjährige Felix ist Jude und lebt 1942 schon seit mehr als 3 Jahren in einem katholischen Waisenhaus in Polen. Seine Eltern haben ihn hierher gebracht und er glaubt fest daran, dass sie wiederkommen werden, um ihn zu holen. Als er miterlebt, wie Bücher des Waisenhauses verbrannt werden, flieht er, um seine Eltern, die jüdische Buchhändler sind, zu suchen und zu warnen. Unterwegs sieht und erlebt er immer wieder schreckliche Dinge. Da beginnt er zu verstehen, was die Nazis wirklich vorhaben. Neben einem brennenden Haus findet er das Mädchen Zelda, deren Eltern ermordet wurden und nimmt sie mit. Doch sie werden beide aufgegriffen und in ein Ghetto gebracht. Dort nimmt sie der jüdische Zahnarzt Barnek, der sich hier liebevoll um eine Gruppe von Waisenkindern kümmert, in seine Obhut - ähnlich wie es Janusz Korczak tat. Er bleibt auch bei ihnen, als die Kinder deportiert werden sollen.
Dieses eindringliche, aus der Sicht eines Kindes geschriebene Buch, zeigt in aller Deutlichkeit die grausame Verfolgung und das furchtbare Leid jüdischer Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus. Doch auch hier gibt es immer wieder Zeichen der Hoffnung und Menschlichkeit. Und Felix gelingt es, trotz aller schrecklichen Ereignisse und Erlebnisse, sich und seinen Freunden immer wieder Mut und Hoffnung zu machen.
Dieses Buch des australischen Autors (*1953) ist nominiert für den Deutschen Jugendbuchpreis 2010 in der Sparte „Preis der Jugendjury“.
Das Labyrinth der Wörter

- Daniela Kies (13. KW)
von Marie-Sabine Roger
Hamburg : Hoffmann und Campe, 2010. - 205 S.
Aus dem Franz. übers.
ISBN 978-3-455-40254-4
Es ist eine zauberhafte und ungewöhnliche Liebesgeschichte, die die französische Autorin erzählt: Germain ist groß, ungeschlacht und vom Leben alles andere als verwöhnt. Die Mutter wollte ihn nie haben und der Lehrer quälte ihn in der Schule, weil er ihn für dumm hielt. Kein Wunder also, dass er es im Leben nicht allzu weit gebracht hat. Noch mit Mitte 40 lebt er von der Hand in den Mund, haust im Wohnwagen und kann kaum lesen. Doch dann trifft er Margueritte – beim Zählen der Tauben im Park. In ihrer Tasche steckt immer ein Buch. Denn die alte Margueritte ist eine leidenschaftliche Leserin. Nach und nach wird sie den ungehobelten und doch so sensiblen Kerl für die Welt der Wörter gewinnen, auch wenn die ihm anfangs wie ein Labyrinth vorkommt. Ihm fremde Begriffe schlägt er nach und wendet sie auch im Alltag an, sehr zur Verwunderung seiner Kumpels. Doch bald erfährt er, dass Margueritte seine Hilfe braucht. Germain muss ihr zuliebe über seinen Schatten springen.
Der warmherzige und humorvolle Roman wird aus der Perspektive Germains erzählt, was dem Leser ermöglicht, an seiner naiven und doch so weisen Weltsicht, seiner sprachlichen und literarischen Entwicklung teilzuhaben. Marie-Sabine Roger erzählt somit genau genommen gleich zwei Liebesgeschichten: Germain findet in Margueritte die Großmutter, die er nie hatte, und er entdeckt das Lesen für sich.
Trösten - aber wie?

- Brigitte Gehling (10. KW)
von Klaus Schäfer
ein Leitfaden zur Begleitung von Trauernden und Kranken - Regensburg : Pustet, 2009. - 175 S. : Ill.
ISBN 978-3-7917-2204-7
Wenn wir mit dem Leid unserer Mitmenschen konfrontiert werden, haben wir oftmals Schwierigkeiten, richtige Worte des Trostes zu finden. Der gute Wille allein genügt nicht immer. Manchmal verletzen auch gut gemeinte Worte.
Klaus Schäfer sieht in der Sprache ein wichtiges Werkzeug des Tröstens. Anhand verschiedener Gesprächsmodelle und vieler praxisnaher Beispiele geht er auf wichtige Grundlagen des Tröstens ein. Der Leser bekommt ein Gespür für häufige Fehler und unpassende Formulierungen im Umgang mit Kranken und Trauernden. Er erfährt aber auch konkret, was er sagen und tun kann. Schließlich werden die Grenzen des Tröstens aufgezeigt.
Dem Leser werden verschiedene Formen des Leids vorgestellt. Außerdem schildert der Autor kleine Gesten, die dem Leidenden gut tun und wie Menschen Trost in Glaube und Religion finden können.
Klaus Schäfer ist Priester und Klinikseelsorger in Karlsruhe.
Keinohrhase und Zweiohrküken

- Sabine Elbers (7. KW)
von Klaus Baumgart und Til Schweiger
Bergisch Gladbach : Baumhaus Verl., 2009. – [25] Bl. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-8339-0193-5
Der Keinohrhase kann alles genauso gut wie die anderen Hasen. Aber weil er keine Ohren hat, will niemand sein Freund sein und er ist daher sehr traurig. Eines Tages findet er ein kleines Ei. Wem mag es gehören? Vielleicht könnte da ein Freund für ihn drin sein? Dann macht er eine überraschende Entdeckung...
Til Schweiger (Vater des KEINOHRHASEN) hat in Zusammenarbeit mit dem Illustrator Klaus Baumgart (Erfinder von LAURAS Stern) ein wunderbares Bilderbuch geschaffen, in dem er die rührende Geschichte der zwei goldigen Figuren erzählt über "Anders sein“ und Freundschaft. Til Schweiger: "Wir hatten gemeinsam viel Freude bei der Entwicklung des Buches, und bei einigen Szenen haben wir Tränen gelacht."
Durch die einfach liebevolle Gestaltung – den niedlichen Zeichnungen mit wenig, aber lustigem Text, ist es dem Autorenduo gelungen, ein unterhaltsames, dennoch lehrreiches Buch für die ganze Familie auf den Markt zu bringen. Dürfen wir auf eine Fortsetzung gespannt sein?
Mein Leben mit Mozart

- Rita Berger (4. KW)
von Eric-Emmanuel Schmitt
Zürich: Ammann Verlag. 2005. - 133 S. + 1 CD
ISBN 3-250-60085-7
Eric-Emmanuel Schmitt berichtet in diesem Buch, wie er im Alter von 15 Jahren von Selbstmordgedanken gequält wird. Das ändert sich schlagartig, als er Zugang zur Musik Mozarts bekommt, bei einer Aufführung der Oper "Die Hochzeit des Figaro". Dadurch erfährt sein Leben eine positive Wendung. Er erkennt in Mozart einen Seelenverwandten. Es ist "Liebe auf den ersten Blick". Er ist sich sicher, "daß sie nun eine lange, wunderbare Geschichte verbinden wird". Von da an schreibt er regelmäßig in kleineren und größeren Abständen sehr persönliche Briefe an den Musiker. Er berichtet von besonderen Ereignissen, Erkenntnissen und Lebenserfahrungen. Diese bringt er mit dem Leben Mozarts und dessen Musik in Verbindung. Es sind Antworten auf die Botschaften, die Mozart mit seiner Musik vermittelt.
Leicht und doch mit philosophischem Tiefgang gewährt Schmitt dem Leser Einblick in sein Innerstes, das durch die Musik des genialen Komponisten immer wieder zutiefst berührt wird und die ihm Kraft und Halt gibt. Auf einer dem Buch zugehörigen CD sind ausgewählte Mozartstücke zu hören, die den jeweiligen Beistand, den Mozart mit seiner Musik leistet, verdeutlichen und nachfühlen lassen. Dabei zeigt sich auch immer wieder deutlich, was Musik bewirken kann, wie hilfreich und tröstlich sie in Lebenskrisen sein kann. Das sie bei Leid, Schmerz und Verlusten Unterstützung und Ermutigung bieten kann, und dass man man durch sie wieder Freude gewinnt. Gleichzeitig bietet Schmitt hiermit auch eine sehr lebendige Einführung in das Werk Mozarts.
Eric-Emmanuel Schmitt (geb. 1960) studierte Philosophie und ist ausgebildeter Konzertpianist. Er wurde für seine Bücher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Herr Hase und Frau Bär - der große Ausflug

- Daniela Kies (1. KW)
von Christa Kempter
Ill. von Frauke Weldin
Hamburg [u.a.] : Nord-Süd-Verl., 2009. - [14] Bl. : überw. Ill. (farb.)
ISBN 978-3-314-01682-0
Ein Wiedersehen mit dem kleinlichen Herrn Hase und seiner chaotischen Untermieterin Frau Bär! Nachdem die beiden am Ende des ersten Bilderbuches „Herr Hase und Frau Bär“ auf einem guten Weg waren, verständnisvoll und friedlich zusammen zu leben, hat Herr Hase am Anfang das zweiten Buches schlechte Laune. Deshalb schlägt Frau Bär dem wenig begeisterten Herrn Hase vor, gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Mit einem selbstgebauten roten Auto ihrer Brüder geht’s los ins Blaue. Aber natürlich geht es nicht lange gut, wenn zwei so unterschiedliche Charaktere zusammen Urlaub machen. Neben einer Autopanne sorgt vor allem das gemeinsame Zelt für Probleme. Aber die beiden schaffen das, denn nichts bringt die bärig gemütliche Frau Bär aus der Ruhe – schon gar nicht ein meckernder Herr Hase!
Die einfache Geschichte ist voller Witz in Wort und Bild. Es lohnt sich, die ausdrucksstarken Bilder genauer zu betrachten und entdeckt dann auch zum Beispiel die ganz besonderen Heringe für das Zelt.
Seit einiger Zeit bietet der Nord-Süd-Verlag, indem auch dieses wunderbare Bilderbuch erschienen ist, auf seiner Internetseite ein kleines Extra an: mit einem Zugangscode im Buch kann das jeweilige Hörbuch als MP3-Datei kostenlos heruntergeladen werden.